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Orales Semaglutid
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Ein SNAC als Türöffner

Ein Peptid oral verabreichen – was quasi unmöglich scheint, ist bei dem GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid gelungen. Möglich macht das ein Hilfsstoff namens SNAC. Dr. Anne Seidlitz, Professorin für Pharmazeutische Technologie an der Freien Universität Berlin, erklärte beim Pharmacon in Schladming, was es damit auf sich hat.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 23.01.2026  13:10 Uhr

SNAC steht für Natrium-N-[8-(2-Hydroxybenzoyl)amino]caprylat oder auch Salcaprozat-Natrium, ein von der Octansäure (Caprylsäure) abgeleiteter Resorptionsvermittler. Eingesetzt wird SNAC in den oralen Formulierungen von Semaglutid, Rybelsus® zur Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes und Wegovy® zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas. Rybelsus ist bereits in Deutschland und Europa auf dem Markt, das orale Wegovy bislang erst in den USA.

SNAC ist ein essenzieller Bestandteil dieser Formulierungen, weil die Bioverfügbarkeit von Semaglutid bei oraler Gabe ansonsten gleich Null wäre. Auch mit dem Hilfsstoff ist sie das Gegenteil von gut: 2 bis 4 Prozent der Patienten hatten unter Studienbedingungen nach Einnahme von Rybelsus keinen Wirkstoff im Blut. Damit überhaupt »irgendetwas ankommt«, beträgt die Semaglutid-Dosis bei oraler Gabe ein Vielfaches der parenteralen Dosis – was wiederum das Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen erhöht.

Transzellulär oder parazellulär?

Auf welche Weise SNAC Semaglutid ins Blut bugsiert, ist nicht vollständig geklärt. Seidlitz zitierte eine Publikation, die 2021 im Fachjournal »Acta Pharmaceutica Sinica B« erschienen ist (DOI: 10.1016/j.apsb.2021.04.001). Demnach erfolgt die Resorption transzellulär: SNAC geht mit Semaglutid eine nicht kovalente Bindung ein. Dieser Komplex wird von Epithelzellen aufgenommen und ins Blut abgegeben. Dort wird SNAC wieder abgespalten und Semaglutid freigesetzt.

In der Publikation werden jedoch auch Studienergebnisse erwähnt, wonach die SNAC-vermittelte Resorption möglicherweise durch eine kurzzeitige Öffnung der Tight Junctions zwischen den Epithelzellen vonstatten geht. Laut dieser Theorie würde SNAC also eine parazelluläre Aufnahme von Semaglutid ermöglichen – doch nur von Semaglutid? Eine wenn auch kurzfristige Auflösung der Tight Junctions könnte auch anderen Molekülen einen weitgehend unkontrollierten Weg in den Organismus bahnen, was sehr bedenklich wäre. Mit der Erklärung, dass die Resorption transzellulär erfolgt, fühle sie sich daher deutlich wohler, sagte Seidlitz.

Bemerkenswert sei bei den oralen Semaglutid-Formulierungen auch der Resorptionsort: »Laut Herstellerangaben wird es im Magen resorbiert. Das ist sehr ungewöhnlich, denn im Magen wird normalerweise nichts resorbiert.« Aufgrund all dieser Besonderheiten gelten strikte Einnahmeanweisungen: nüchtern (mindestens acht Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme, mindestens 30 Minuten bis zur nächsten), mit nur wenig Wasser (120 ml) und ohne jegliche Manipulation der Tablette (kein Zerkleinern oder Zerkauen).

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