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Etripamil bei Herzrasen
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Ein Nasenspray zur Selbstbehandlung

Die paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie ist meist harmlos, kann aber durch plötzlich auftretende Episoden sehr schneller Herzschläge belastende Symptome auslösen. Mit Etripamil steht in den USA nun erstmals ein intranasaler Calciumkanalblocker für die Selbstapplikation zur Verfügung.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 03.02.2026  15:00 Uhr

Die paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie (PSVT) ist eine Herzrhythmusstörung, bei der es zu Herzrasen mit mehr als 150 bis 200 Schlägen pro Minute kommen kann. Meistens ist eine Störung im Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) ursächlich. Der Anstieg der Herzfrequenz ist unvorhersehbar und kann mehrere Stunden andauern. Die schnelle Herzfrequenz verursacht Symptome wie Herzklopfen, Atemnot, Brustbeschwerden, Schwindel oder Benommenheit und Stress.

Mit einem Valsalva-Manöver lässt sich der Druck im Brustkorb erhöhen. Dadurch wird der Vagusnerv gereizt und die Herzfrequenz verlangsamt. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Beispielsweise können Betroffene den Mund schließen und sich die Nase zuhalten und dann versuchen, kräftig auszuatmen.

Medikamentös kommt zum Beispiel die intravenöse Gabe des Wirkstoffs Adenosin infrage, um den Herzrhythmus zu normalisieren. In den USA wurde nun mit Etripamil (Cardamyst™ Nasenspray, Milestone Pharmaceuticals) ein neuer Wirkstoff zur Behandlung von PSVT zugelassen und auf dem US-Markt eingeführt. Auch die europäische Zulassungsbehörde EMA prüft einen Zulassungsantrag für Etripamil (Tachymist™) bei PSVT. Der Hersteller erwartet die Entscheidung über die EU-Zulassung im ersten Quartal 2027.

Etripamil gehört wie unter anderem Amlodipin, Diltiazem und Verapamil zu den Calciumkanalblockern vom L-Typ. Es entfaltet seine Wirkung durch Modulation des Einstroms von Calciumionen über die Zellmembran der AV-Knotenzellen sowie der glatten Muskulatur der Arterien und der kontraktilen Myokardzellen. Durch die Unterbrechung der Rückleitung am AV-Knoten kann Etripamil den Sinusrhythmus bei PSVT wiederherstellen.

In klinischen Studien war bei Teilnehmern, die Etripamil intranasal anwendeten, die Wahrscheinlichkeit einer Umwandlung der symptomatischen PSVT in einen Sinusrhythmus mehr als doppelt so hoch (64 versus 31 Prozent) und erfolgte mehr als dreimal schneller als bei Placebo (17 versus 54 Minuten). Das Autorenteam einer Publikation in »JAMA Cardiology« kommt zu dem Schluss, dass die ambulante Selbstbehandlung mit Etripamil dazu beitragen könne, Besuche in der Notaufnahme und Kosten der Versorgung von Patienten mit PSVT zu reduzieren.

Cardamyst ist in den USA zur Umwandlung von akuten symptomatischen PSVT-Episoden in den Sinusrhythmus bei Erwachsenen indiziert. Die Anfangsdosis sind insgesamt 70 mg, die in Form von jeweils einem Sprühstoß pro Nasenloch abgegeben werden. Pro Nasenloch steht ein Spray pro Packung zur Verfügung. Sollten die Symptome zehn Minuten nach der Applikation weiter andauern, wird zu einer zweiten Dosis von 70 mg in Form von zwei Nasensprays, jeweils ein Spray in jedes Nasenloch, geraten. Eine Dosis von insgesamt 140 mg innerhalb von 24 Stunden darf nicht überschritten werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Nasenbeschwerden, verstopfte Nase, Rhinorrhö, Halsreizungen und Nasenbluten. Kontraindiziert ist der Wirkstoff zum Beispiel bei Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien II bis IV.

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