| Sven Siebenand |
| 05.02.2026 10:00 Uhr |
Die Strahlentherapie ist eine wichtige Behandlungsform bei Krebs. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören dabei Hautschäden bis hin zu chronischen Entzündungen und Fibrosen. / © Adobe Stock/My Ocean studio
Hautschäden, chronische Entzündungen und Fibrosen sind nach einer Strahlentherapie keine Seltenheit und werden derzeit symptomatisch behandelt. Das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München nimmt in einer Pressemitteilung Bezug auf eine Publikation eines Autorenteams um Li Li im Fachjournal »Nature«. Demnach sei es gelungen, das Protein Dickkopf 3 (DKK3) als wichtigen Verursacher von Hautschäden nach einer Strahlentherapie zu identifizieren. Damit sei auch ein Schritt in Richtung gezielter Pharmakotherapie gemacht.
Bevor es mit Details zu dieser Arbeit weitergeht, kommt hier aber zunächst die Antwort auf eine Frage, die sich unweigerlich aufdrängt: Wieso heißt dieses Protein Dickkopf? Hat das etwas mit einem eigenwilligen Wissenschaftler zu tun, der lieber gegen den Strom schwamm, als einen Fehler zuzugeben? Nein, der Begriff Dickkopf stammt tatsächlich aus der Entwicklungsbiologie. Forscher fanden bei Untersuchungen an Xenopus-Froschembryonen heraus, dass die Überexpression des Gens für DKK-1 dazu führte, dass die Embryonen einen vergrößerten Kopf entwickelten. Der Name Dickkopf-Protein war geboren. Später wurde nicht nur das DKK1-Protein, sondern die gesamte Familie, also auch DKK-3, zur Dickkopf-Familie umbenannt.
Zurück zur Strahlentherapie: Mithilfe von Untersuchungen an Mausmodellen sowie humanen Hautzellen und Gewebeproben fand das Forschungsteam heraus, dass DKK3 nach Bestrahlung in einer bestimmten Gruppe von Hautzellen aktiviert wird, die für die Erneuerung der Haut verantwortlich sind. Das wiederum führt zu einer Kettenreaktion, die in Entzündung, Bildung von narbenähnlichem Gewebe sowie chronischen Hautschäden mündet.
»Medikamente, die DKK3 blockieren, könnten eines Tages dazu beitragen, langfristige Hautschäden nach einer Strahlentherapie zu verhindern oder zu reduzieren und so die Lebensqualität von Krebspatienten und Überlebenden zu verbessern«, sagt einer der Seniorautoren, Professor Dr. Peter J. Nelson vom Klinikum der LMU in München. Zudem untersuchen die Forschenden derzeit, ob dieser Ansatz auch zur Vorbeugung von Narbenbildung in anderen Organen beitragen könnte.