»Für eine echte Gleichheit im Gesundheitswesen müssen Behandlungs,- Präventions- und Therapiekonzepte und Leitlinien kritisch überprüft und ggf. angepasst werden«, sagt Stefanie Drese, die Gesundheitsministerin von Mecklenburg-Vorpommern. / © PZ/Müller
»Medizinisch werden Frauen oft nicht angemessen versorgt, da Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht genügend berücksichtigt werden«, sagte Drese in Schwerin. Die Nichtbeachtung des biologischen Geschlechtes bei Krankheitssymptomen, bei der Diagnostik und Behandlung beinhalte vor allem für Frauen oft die Gefahr von Fehl-, Unter- und Überbehandlungen mit gesundheitlichen Nachteilen.
»Viele Krankheiten verlaufen bei Frauen anders als bei Männern, auch wirken Medikamente stoffwechselbedingt teilweise nicht gleich. Deshalb brauchen Frauen oft eine andere Behandlung als Männer, was in Forschung und Versorgung bisher allerdings nicht immer ausreichend berücksichtigt wird«, betonte die Ministerin. In vielen medizinischen Bereichen gebe es weniger Daten zu Frauen als zu Männern.
Die Symptomatik mancher Erkrankungen könne sich bei Frauen und Männern so sehr unterscheiden, dass Fehldiagnosen gestellt oder Erkrankungen gar übersehen werden. Als klassisches Beispiel führte Drese den Herzinfarkt an.
Positiv sei, dass im neuen Landeskrankenhausgesetz festgeschrieben sei, dass durch die Krankenhäuser verantwortete Forschung geschlechtersensibel erfolgen müsse. Gleiches gelte für Forschungsansätze, die in die Versorgung implementiert werden sollen, sowie zugehörige und allgemeine Aus-, Fort- und Weiterbildungen. »Das sind erste Erfolge. Maßnahmen zur Beseitigung des Ungleichgewichtes müssen jedoch weitgreifend ansetzen und strategisch koordiniert werden, damit es nicht nur bei einem Flickenteppich an einzelnen Maßnahmen bleibt«, sagte Drese und fügte hinzu: »Für eine echte Gleichheit im Gesundheitswesen müssen Behandlungs-, Präventions- und Therapiekonzepte und Leitlinien kritisch überprüft und ggf. angepasst werden.«
Das Thema Frauengesundheit erfährt immer mehr Aufmerksamkeit: So hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine Forschungsförderung zu Frauengesundheit gestartet, die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach äußerte sich zur Stärkung von Frauengesundheit, in einem Interview mit der PZ sprach die Fraktionschefin der Linken, Heidi Reichinnek, von einer strukturellen Benachteiligung von Frauen im Gesundheitssystem und die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, forderte mehr Unterstützung für Frauen in den Wechseljahren.