Ibuprofen plus ASS 100 lässt sich neuerdings problemlos bei dm-med bestellen. Zwar kommt ein Interaktionshinweis, aber ohne konkrete Handlungsempfehlung – außer, sich an den »Arzt oder Apotheker« zu wenden. / © Imago/Hanno Bode
Mitte Dezember ging mit dm-med die in Tschechien ansässige Versandapotheke der deutschen Drogeriemarktkette dm an den Start. Erhältlich sind bislang nur rezeptfreie Medikamente. Die Stiftung Warentest hat nun erste Probebestellungen anonym über die dm-App gemacht. Neben Service und Datenschutz wollten die Verbraucherschützer auch wissen, wie es um die fachliche Beratung steht. Dazu bestellten sie Ibuprofen und ASS 100 in Kombination.
Als Internetapotheke mit Versandhandelserlaubnis gelten für dm-med die gleichen Beratungspflichten wie für andere Versandapotheken und deutsche Vor-Ort-Apotheken. Die Tester erwarteten einen Hinweis, dass bei der Einnahme der beiden Medikamente ein zeitlicher Abstand einzuhalten ist, um zu vermeiden, dass Ibuprofen die blutverdünnende Wirkung von ASS 100 aufhebt.
Das hat semi-gut geklappt, wie das Magazin berichtet: »Unsere Erwartung erfüllte sich nur halb. Wir erhielten einen schriftlichen Hinweis zu einer erkannten möglichen Wechselwirkung und die Empfehlung, die Kombination der Medikamente mit Arzt oder Apotheker zu besprechen – und das, obwohl sie doch von einer zugelassenen Versandapotheke stammen.«
Aufgefallen ist den Verbraucherschützern auch, dass die pharmazeutische Hotline von dm-med nur eingeschränkt erreichbar ist, worauf auch die PZ bereits im Dezember hingewiesen hatte: laut eigener Aussage nur montags bis freitags von jeweils 9 bis 14 Uhr.
Ebenso fiel den Testern das nicht vollständige Sortiment auf. An drei Stichtagen im Januar, Februar und März waren zwei von fünf gesuchten rezeptfreien Mitteln über App und Webshop nicht zu finden. Um was genau es sich handelte, verrät Stiftung Warentest nicht. Eine Nachfrage über das Kontaktformular habe ergeben, dass es sich wohl um Medikamente handelt, die in Tschechien Rx-pflichtig sind und somit nicht versendet werden dürfen. Stiftung Warentest wertet dies als Zeichen für »die Seriosität des Angebots«.
Mit der Logistik ist Stiftung Warentest soweit zufrieden: Auswählen, Bestellen und Bezahlen funktionierten reibungslos; die Bestellungen kamen innerhalb von zwei bis drei Tagen an, Kosmetika und Medikamente teils getrennt – die Produkte konnten sogar »problemlos« und portofrei zurückgesendet werden. Der Datenschutz sei in Ordnung, wenn die dm-App auch vergleichweise simple Passwörter zulasse. Eine Rüge gab es jedoch: Auf den gelieferten Medikamenten-Päckchen fehlten Aufdrucke, die vor einer Abgabe an Minderjährige oder Nachbarn warnen.
Und die Preise? Die Stichprobe von Stiftung Warentest für drei nicht genannte Produkte an den drei Stichtagen lagen demnach 36 bis 68 Prozent unter der Lauer-Taxe. Die Versandkosten in Höhe von 4,95 Euro seien allerdings zu berücksichtigen, sodass sich vor allem bei größeren Bestellungen Preisvorteile ergeben würden – ein fragwürdiger Hinweis angesichts von Arzneimitteln. Zwar lässt sich der Einkauf auch mit normalen Drogerieartikeln kombinieren – doch auch das findet zumindest die Wettbewerbszentrale fragwürdig und hat gegen das Geschäftsmodell geklagt.