| Alexander Müller |
| 20.02.2026 10:30 Uhr |
Der Drogerieriese dm hält nichts vom deutschen Fremdbesitzverbot für Apotheken. / © IMAGO/Hanno Bode
Aus Sicht der Wettbewerbszentrale ist der OTC-Verkauf von dm-med nicht sauber vom Drogeriegeschäft getrennt. Marcel Rieser, Geschäftsbereichsverantwortlicher Sortiment und Digital Business bei dm, erklärte im Gespräch mit der PZ: »Es gibt eine eigenständige Gesellschaft mit einer leitenden Apothekerin und einem Apotheker als Fachperson nach tschechischem Recht. Auch die Trennung zwischen dem Sortiment ist ganz klar. Es gibt keinen einzigen Artikel, den es sowohl in der Drogerie als auch in der Apotheke gibt.«
Die Wettbewerbszentrale sieht in dem Versand aus Tschechien zudem eine Umgehung des Fremdbesitzverbots. Denn aus dem Versandlager in Bor werde, wenn nicht ausschließlich, dann doch weit überwiegend an Kunden in Deutschland verschickt. Eine solche Konstruktion wäre in Deutschland illegal.
Rieser verweist darauf, dass man in Tschechien eine Zulassung als Apotheke erhalten habe. Vor Ort gibt es Rieser zufolge eine normale tschechische Präsenzapotheke. »Dort gibt es auch rezeptpflichtige Medikamente, was wir im Versand nicht haben.«
Natürlich bestreitet Rieser nicht, dass dm bewusst hinter die deutsche Grenze gegangen ist, um das Geschäft zu starten. Aber das liege eben am »Regulator«, wie Rieser den Gesetzgeber nennt. »Man kann sich fragen, ob das deutsche Fremd- und Mehrbesitzverbot sinnvoll ist.« Die Gründung ist daher aus Sicht von dm kein Umgehen der Vorschriften, sondern Ausdruck der Warenverkehrs- und Niederlassungsfreiheit nach europäischem Recht. Für dm sei es nichts Außergewöhnliches, weil sich die Drogeriekette sowieso als »europäisch aktives Unternehmen« versteht.
Überhaupt versteht man bei dm die Aufregung um das eigene Geschäftsmodell nicht: »Wir kommen nicht in den Markt und wollen die Regeln ändern: Versandapotheken, die das Geschäft aus dem Ausland betreiben, kennen wir seit 20 Jahren. Bei uns wird wegen der Nähe zum Drogeriemarkt genauer hingesehen. Dabei geht das Marktplatzmodell von Amazon mit seiner Integration viel weiter.«
Verlässliche Zahlen zum Start erwartet dm erst aus dem Februar-Geschäft. Die Weihnachtstage und Ferienzeit seien klassisch schwach im Onlinehandel, so Rieser. Zwar plant dm schon, das Sortiment »in Breite und Tiefe« zu erweitern, will »den Artikeln aber auch eine gute Zeit geben, sich zu bewähren«.
Als Frequenzbringer für die Märkte soll das OTC-Versandgeschäft nicht dienen. Ohnehin lassen sich nur etwa 5 Prozent der Kundinnen und Kunden ihre Arzneimittel an eine Abholstation in einer Filiale liefern. Also geht es ums Image? Denn gewinnorientiert dürfte das preisaggressive OTC-Versandgeschäft kaum sein. Das Geschäft der Apotheke in Tschechien soll laut dm eigenständig und schlüssig funktionieren. Dabei kann sich dm auf die Bekanntheit der eigenen Marke stützen. »Wir brauchen keinen Günther Jauch«, fasst es Rieser zusammen.