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dm kokettiert weiter mit Start des OTC-Versands

Die Tage bis zum Start des OTC-Versands aus Tschechien sind für dm gezählt – am Herbst als Starttermin hält das Management fest. Konkret will man aber immer noch nicht werden. Die Wettbewerbszentrale hat derweil wegen der neuen Gesundheitsangebote Klage eingereicht.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 11.12.2025  10:30 Uhr

Kalendarisch dauert der Herbst auf der Nordhalbkugel bis zum 21. Dezember. Dass er in dieser Jahreszeit seinen OTC-Versand aus Tschechien starten wolle, hatte der Drogerieriese schon früh angekündigt. Man ist aktuell also noch knapp im Plan. Gerüchtehalber soll es Mitte kommender Woche losgehen. Ein konkretes Datum will Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer Marketing und Beschaffung, aber nach wie vor nicht nennen.

Man komme mit den Vorbereitungen voran, sei »aber noch nicht am Ziel«, so Bayer zur PZ. Entsprechend könne er den angeblichen Starttermin nicht bestätigen; dieser stehe noch nicht fest. Versender Redcare meldete unterdessen den OTC-Versandstart aus Tschechien.

dm-Geschäftsführer Christoph Werner hatte im Oktober in einem Interview mit der PZ  mit dem Starttermin kokettiert: »Kalendarisch endet der Herbst am 20. Dezember 2025. Wir liegen daher noch gut in der Zeit«, so Werner auf Nachfrage. Den Starttermin hatte das Unternehmen dem Vernehmen nach mehrmals verschoben.  

Eine Betriebserlaubnis hat die tschechische Arzneimittelbehörde längst erteilt. Demnach soll die Apotheke in Bor nahe der deutschen Grenzen »dm-med LÉKÁRNA« heißen, als Chefapothekerin ist Dita Rohrbacherová verzeichnet. Darüber, ob und welche Unterlagen aktuell noch fehlen, hüllt sich dm in Schweigen. Auch wie die Zusammenarbeit mit OTC-Herstellern verläuft, kommentiert das Unternehmen nicht.

Gesundheitsangebote: Wettbewerbszentrale sieht mehrere Rechtsverstöße

Der OTC-Verkauf soll ausschließlich online über die dm-Webseite und die App erfolgen, nicht in den Filialen. Dafür informierte dm unlängst seine Kundschaft über die geänderten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die seit dem 6. Dezember gelten und auch den Arzneiversand betreffen.

Der geplante OTC-Versand ist der vorläufige Höhepunkt der Gesundheitspläne, die dm – wie auch andere Player im Einzelhandel – schon länger verfolgen. Man reagiere damit auf »erstarrte« Strukturen und neue Bedürfnisse, hatte dm-Chef Christoph Werner im Oktober erklärt. Der Schritt sei folgerichtig. Den Rx-Markt hat man nach eigenen Angaben erst einmal nicht im Blick.

Gegen die Gesundheitsangebote wie Augen-, Haut- und Blutchecks, die dm ab Sommer lancierte, liefen nicht nur Fachverbände Sturm. Auch juristisch gibt es Gegenwind. Im Oktober kündigte die Wettbewerbszentrale zwei Klagen an: eine in Karlsruhe gegen dm und eine in Düsseldorf gegen Skleo Health, einen dm-Kooperationspartner. Die Wettbewerbszentrale sieht demnach Rechtsverstöße gegen:

  • Das Heilpraktikergesetz, wonach nur Befugte Augenheilkunde ausüben dürfen – bei dm sollen es »speziell geschulte Mitarbeiter« sein.
  • Die Zweckbestimmung der beiden medizinischen Geräte für dm-Augenscreenings, die »nur durch medizinisch ausgebildetes Personal verwendet werden dürfen«.
  • Die Gebührenordnung für Ärzte. Der Ergebnisbericht ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale eine ärztliche Leistung, die Skleo Health nach der Gebührenordnung für Ärzte abrechnen müsse.
  • Das Werbeverbot für Fernbehandlung im Heilmittelwerbegesetz: dm wirbt mit einer ärztlichen Validierung des Ergebnisberichts, obwohl kein Augenarzt in den Filialen vor Ort ist.
  • Außerdem sei die Werbung für das Augenscreening auf der dm-Webseite eine Irreführung, weil dm laut des Wirtschaftsverbandes damit suggeriere, ein zuverlässiges Prüfergebnis vorzulegen.

Wie die Wettbewerbszentrale mitteilte, sei die Klage nun eingereicht worden.

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