| Lukas Brockfeld |
| 15.12.2025 12:54 Uhr |
dm-Chef Christoph Werner expandiert mit seinem Unternehmen in den Gesundheitsbereich. / © Imago images/BeckerBredel
Die Drogeriekette dm möchte am 16. Dezember in den Versandhandel mit Arzneimitteln einsteigen. Etwa 2500 verschreibungsfreie Arzneimittel und 1000 Produkte aus dem Bereich Hautkosmetik sollen dann über die Website des Unternehmens bestellbar sein. Der Versand von Rx-Arzneimitteln ist vorerst nicht geplant. Außerdem bietet dm in einigen Geschäften bereits seit dem Sommer Gesundheitsdienstleistungen wie Augenchecks an.
Der Vorstoß in den Gesundheitsbereich brachte dm heftige Kritik von Apothekern und Ärzten sowie eine Klage der Wettbewerbszentrale ein. Jetzt hat sich dm-Geschäftsführer Christoph Werner in einem ausführlichen Interview mit dem Handelsblatt zur Strategie seines Unternehmens geäußert.
Der dm-Chef erklärte, dass es seinem Unternehmen vor allem um die »zeitgemäße Weiterentwicklung« der Gesundheitskompetenz ginge. Man wolle gerade junge Menschen mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsangeboten unterstützen. »Wenn also die Millennials oder die Gen Z bei uns online einkaufen und merken, dass sie viele der gesuchten Produkte nicht bei uns, sondern in einer Onlineapotheke finden, dann verlieren wir diese Zielgruppen«, so Werner gegenüber dem Handelsblatt.
Ein Verkauf von Rx-Arzneimitteln sei erstmal nicht geplant, da diese nicht von einem Kunden ausgesucht, sondern von einem Arzt verschrieben werden. »Bei rezeptfreien Arzneimitteln entscheidet hingegen der Kunde, und unsere händlerische Expertise kommt zum Tragen. Deswegen die Konzentration auf nicht-verschreibungspflichtige Apothekenprodukte«, erklärte der dm-Chef. Man wolle die Entwicklung des Marktes allerdings beobachten und die Strategien entsprechend anpassen.
Das Handelsblatt fragte Werner auch, ob dm die aggressiven Rabatte der etablierten Versandhändler mitmachen oder sogar unterbieten wolle. Der dm-Chef antwortete vielsagend: »Kundinnen und Kunden werden sich auch bei diesem Sortiment auf unseren bewährten günstigen Dauerpreis verlassen können.«
Auch eine Expansion in andere europäische Länder ist für den Geschäftsführer vorstellbar. »Wir stellen uns jedenfalls dafür auf, indem wir das IT-System so entwickelt haben, dass es innerhalb der dm-Gruppe ausgerollt werden kann. Auch aus unserem Logistikzentrum in Tschechien können weitere Länder bedient werden«, so Werner.
Angesprochen auf die Kritik mehrerer Heilberufsverbände behauptete der dm-Chef, dass es von Seiten der Apothekerschaft auch positive Reaktionen gegeben hätte. Angeblich wollen einige Approbierte mit dm zusammenarbeiten. Doch das scheitere an den gesetzlichen Vorgaben. »Würde beispielsweise ein Apotheker seine Apotheke in einem dm-Markt betreiben, wäre das ein Gewinn für die Kundschaft, für den Apotheker und für dm. Doch da der Gesetzgeber vorgibt, dass eine stationäre Apotheke räumlich gänzlich von unseren Verkaufsräumen getrennt sein muss, scheidet diese Möglichkeit bisher aus«, sagte Christoph Werner.