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Stellungnahme Apothekenreform
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Die vielen Probleme der PTA-Vertretung 

Der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) hat eine umfangreiche Stellungnahme zur geplanten Apothekenreform abgegeben. Der Verbandsvorsitzende Thomas Rochell kritisiert insbesondere die geplante PTA-Vertretung und die unzureichende Vergütung. 
AutorKontaktPZ
Datum 03.03.2026  16:26 Uhr

Am Mittwoch findet die Anhörung zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) im Gesundheitsausschuss des Bundestags statt. Im Vorfeld haben zahlreiche Verbände ausführliche Stellungnahmen eingereicht. Inzwischen hat sich auch Thomas Rochell, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Deutscher Apotheken (ADA), zu Wort gemeldet.

Eingangs bedauert Rochell, dass der Gesetzentwurf keine Verbesserung der Vergütung und keine Anhebung des Apothekenfixums auf 9,50 Euro vorsieht. Die bisherigen Versprechen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) seien bestenfalls reine »Ankündigungsrhetorik«. 

Ja zu neuen pDL, Nein zur PTA-Vertretung

Die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL), Präventionsaufgaben und Testungen sowie eine Erweiterung des Impfangebotes in Apotheken werden vom ADA ausdrücklich begrüßt. Die Pläne könnten die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung stärken, die Attraktivität von Apothekenberufen erhöhen und die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems verbessern. 

Kritisch sieht der Verband jedoch die geplante Vertretungsbefugnis für Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) in einem Umfang von 20 Tagen im Jahr. Diese sei keine Aufwertung des Berufes, sondern würde diese durch die mögliche Mehrbelastung sogar verhindern. »Es ist realitätsfern anzunehmen, dass PTA Kapazitäten haben, neben den eigentlichen Aufgaben noch den Apotheker zu vertreten. Die Arbeitsverdichtung ist auch in Apotheken hoch, die Vertretungslösung daher nicht zu stemmen«, so Thomas Rochell.

Die Apotheken würden nach Einschätzung des ADA keine Einsparungen durch die PTA-Vertretung erzielen. Insbesondere da die Regelung zu höheren Lohnkosten führen dürfte, da entsprechend weitergebildete PTA ein für ihre Qualifikation angemessenes Gehalt verlangen würden. 

Steigende Tariflöhne ohne Gegenfinanzierung

Rochell erklärt in seiner  Stellungnahme auch, dass die Apothekerschaft PTA und PKA gerne höhere Gehälter zahlen würde. Das sei künftig erst recht geboten, da diese Berufsgruppen mit den neuen pDL auch neue Aufgaben übernehmen sollen, was eine angemessene Entlohnung erfordere. Doch aufgrund der stagnierenden Vergütung der Apotheken seien Lohnerhöhungen für die Angestellten kaum möglich. 

Die Apotheken hätten schon heute mit steigenden Lohnkosten zu kämpfen. Im Januar seien die Tariflöhne um 3 Prozent gestiegen und der Mindestlohn wurde auf 13,90 Euro angehoben. Für eine durchschnittliche Apotheke seien das Mehrkosten in Höhe von annähernd 12.500 Euro.

2027 soll der Mindestlohn auf 14,60 Euro steigen. Der Tariflohn von PKA-Berufseinsteigern läge dann knapp unter dem Mindestlohn, der von PTA knapp darüber. Allein aufgrund des Lohnabstandsgebots müsse es also bald weitere Tariferhöhungen geben. »Dies wird zu entsprechenden Mehrkosten pro Apotheke führen, für die es ohne eine Anhebung des Fixums keinerlei Gegenfinanzierung gibt, sodass noch mehr Apotheken in noch größere wirtschaftliche Schieflage geraten«, warnt Thomas Rochell.

Der ADA-Vorsitzende merkt außerdem an, dass es aktuell noch keine PTA gibt, die für eine Vertretung qualifiziert sind. Bis diese zur Verfügung stehen, würden noch mindestens drei Jahre vergehen. »Gerade kleine Apotheken mit einem entsprechend kleinen Personalstab können ihre PTA kaum für entsprechende Weiterbildungen freistellen. Bis es zu einem Einsatz vertretungsberechtigter PTA kommen kann, werden also weitere Apotheken schließen und die Versorgung der Bevölkerung wird sich verschlechtern«, sagt Thomas Rochell. 

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