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Pharmabranche in Deutschland
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Die taumelnde Schlüsselindustrie  

Die deutsche Pharmaindustrie ist extrem erfolgreich und droht doch im internationalen Wettbewerb zurückzufallen. Das zeigt die Studie »Gesundheitsstandort Deutschland: Entwicklungen und Potenziale – Die Rolle der Pharmaindustrie für Wirtschaft und Gesellschaft« des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag von Pfizer.
AutorKontaktPZ
Datum 27.03.2024  14:04 Uhr

Konkurrenz aus der ganzen Welt

Doch der globale Wettbewerb nimmt deutlich zu: Im internationalen Vergleich zeigt die deutsche Pharmaforschung eine mittelmäßige Entwicklung, Länder wie China oder Belgien steigern ihre Forschungsausgaben seit Jahren überdurchschnittlich. Im Ranking der Standorte für klinische Studien belegt Deutschland 2021 nur noch den sechsten Platz. Immer komplexer werdende Regularien und steigende Bürokratieanforderungen erschweren Forschungsprojekte, klinische Studien und Markteinführungen.

»Zusätzlich bringen die kürzlich im GKV-Finanzstabilisierungsgesetz vorgenommenen Änderungen am AMNOG-Verfahren zur nutzenbasierten Preisbildung von innovativen Medikamenten den Arzneimittelmarkt ins Wanken und drohen die Entwicklung der Pharmaindustrie in Deutschland zu schwächen«, gibt Kirchhoff zu Bedenken. Auch die geplante Verkürzung des Unterlagenschutzes im EU-Pharmapaket könnte den Standort Deutschland der Studie zufolge zunehmend unattraktiv für pharmazeutische Unternehmen machen.

Wettbewerbsvorteile ausbauen

Um den Pharmastandort Deutschland langfristig zu stärken und Wettbewerbsvorteile, die bei den innovativen Arzneimitteln gegenüber anderen Ländern bestehen, weiter auszubauen, hat die Studie unterschiedliche Potenziale entlang der Wertschöpfungskette identifiziert.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen das Schaffen innovations- und investitionsfreundlicher Rahmenbedingungen, der Abbau bürokratischer Hürden und das Etablieren einheitlicher Standards, etwa beim Zugang zu Gesundheitsdaten. Zusätzlich wird empfohlen, die Übertragung von Ergebnissen der heimischen Grundlagenforschung in die angewandte Forschung zu stärken und das Tempo der Digitalisierung zu beschleunigen.

Darüber hinaus gilt es, durch einen offenen Austausch aller Akteure des Gesundheitssystems sowie eine ressortübergreifende Zusammenarbeit aller relevanten Ministerien bestehende Silos aufzubrechen. »Die Pharmastrategie der Bundesregierung beinhaltet viele richtige Maßnahmen. Das stimmt mich positiv. Wichtig ist aber auch, dass die Basis stimmt. Wir brauchen ein Umfeld, das Innovationen wertschätzt und verlässliche Rahmenbedingungen für den Markteintritt neuer Therapien bietet«, sagt Sabine Gilliam, Country President von Pfizer in Deutschland.

»Eine Reform des AMNOG, insbesondere eine Rücknahme der Regelungen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes, ist essenziell, damit die Menschen in Deutschland weiter im gleichen Maße von innovativen Medikamenten profitieren und diese auch weiterhin in Deutschland produziert werden«, betont Gilliam. 

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