Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Universität Jena
-
Die Praxis in den Hörsaal bringen

Die Arzneimitteltherapiesicherheit ist eine Kernkompetenz des Apothekers, kommt im Studium und im Praktischen Jahr aber häufig zu kurz. Ein hessisches Apothekenteam will das ändern und führt jährlich die Studierenden des Abschlusssemesters an der Uni Jena in die Medikationsanalyse ein. Mit dabei ist auch eine Hausärztin.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 07.07.2025  18:00 Uhr

Das Projekt an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) in Jena ist ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit: Im Seminar »Einführung in die Medikationsanalyse« bearbeiten Pharmaziestudierende des achten Semesters echte Patientenfälle. Betreut werden sie dabei von einem Team um Stefan Göbel von der Brücken-Apotheke im hessischen Heringen. Bei der Ergebnispräsentation ist die behandelnde Hausärztin der Patienten mit dabei, die den Studierenden direktes Feedback gibt und die Verbesserungsvorschläge anschließend umsetzen kann.

Das Seminar gibt es mittlerweile seit sieben Jahren. Initiiert hat es Göbel, der vor rund 20 Jahren selbst in Jena studiert und den Praxisbezug sehr vermisst hat. Ins Leben gerufen wurde es schließlich mit Unterstützung von Privatdozent Dr. Andreas Seeling, der Lehrveranstaltungen an der FSU im Bereich Klinische Pharmazie koordiniert.

»Ich finde es immer wieder schön, bei den Studierenden zu sein und ich mag das Gefühl, wenn man ihnen etwas vermitteln kann«, sagt Apotheker Göbel. Die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sei genau das Kerngebiet, für das Apotheker prädestiniert seien – das aber in der Ausbildung oft zu kurz komme und das darüber hinaus auch von der Öffentlichkeit häufig zu wenig wahrgenommen werde.

»Da habe ich mir überlegt, dass man doch wunderbar den zukünftigen Generationen beibringen kann, wie man pharmazeutisch besser und fundierter arbeitet und wie man Patienten interdisziplinär zusammen mit den Ärzten betreut – um langfristig die Versorgung zu verbessern, aber natürlich auch, um unser Berufsbild zu verändern«, erklärt der Apotheker. Beim Seminar unterstützen ihn seine Kolleginnen Eva-Maria Grohs und Ulrike Eimer – »und natürlich das ganze Apothekenteam, das uns in Heringen den Rücken freihält«.

Von der Pike auf lernen

In einer Online-Auftaktveranstaltung am 30. Juni lernten die Studierenden zunächst die Grundlagen und Werkzeuge kennen, die sie für eine Medikationsanalyse benötigen. Am 2. Juli ging es dann im Hörsaal praktisch los: Sieben Gruppen zu je sieben Studierenden erhielten jeweils einen anonymisierten Patientenfall samt Medikationsplan, aktuellen Diagnosen und Laborwerten. 

Zunächst recherchierten die Gruppen rund drei Stunden in Fach- und Wechselwirkungsdatenbanken und schauten in aktuelle Leitlinien, um sich mit dem Krankheitsbild des Patienten auseinandersetzen. Erst in der zweiten Hälfte des Seminartags durften sie eine AMTS-Software nutzen. Eine Zusatzaufgabe bestand in diesem Jahr erstmals darin, die eigenen Ergebnisse mit denen von ChatGPT zu vergleichen.

Positives Feedback

Susanne G., die zum Semestersprecher-Duo gehört, freute sich darüber, dass das Seminar so anwendungsorientiert ist: »Es hat wirklich Spaß gemacht, sich mal hinzusetzen und einen Fall in der Praxis durchzugehen – und auch alle erforderlichen Informationen dazu zu bekommen. Manchmal bekommen wir in den Vorlesungen grobe Beispiele gezeigt, aber nie anhand einer vollständigen (Hyper-)Polymedikation, wie es hier der Fall war.«

Die Studentin kritisierte überdies veraltete Strukturen im Pharmaziestudium. »Ich persönlich finde, es gehört deutlich reformiert. Wir haben – neben vielen guten – auch viele Veranstaltungen, die uns nicht wirklich etwas bringen. Natürlich vermitteln Chemie- und Physikveranstaltungen Grundkenntnisse, aber die Frage ist, ob wir diese so intensiv brauchen.« Dagegen vermisse sie mehr praxisbezogene Inhalte.

Neben Praktika, Vorlesungen, Seminaren und Prüfungen bleibe nur noch wenig Platz für »die wirklich interessanten Sachen«, sagte die Studentin. »Teilweise fanden Veranstaltungen samstags statt, weil sie nicht mehr in den Lehrplan gepasst haben.« 

Mehr interprofessionelle Kommunikation

Am zweiten Seminartag präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse. Im Auditorium saß auch Dr. Annegret Fröbel, Fachärztin für Allgemeinmedizin am Hausarztzentrum Heringen, die die Patienten aus den Fallbeispielen betreut. In diesem Jahr war sie bereits zum dritten Mal dabei.

»Die Patienten sind meistens richtig stolz und freuen sich, wenn ihr Fall im Seminar drankommt«, verriet die Ärztin. Die Ergebnisse der Studierenden fand sie »richtig gut«.  Die Fälle seien besonders komplex gewesen. »Die Studierenden haben das wirklich gut gemacht.« Interessanterweise waren sowohl die Studierenden als auch das Betreuerteam positiv von den Antworten von ChatGPT überrascht, wobei diese nicht die Qualität von AMTS-Software erreichen.

Die Hausärztin bewertete die Vorschläge, die Apotheker im Rahmen einer Medikationsanalyse machen, als Zugewinn – was aber nicht für alle Kollegen gelte. »Es gibt natürlich auch Ärzte, die es kritisch sehen mit der Medikamentenanalyse – und die sehr strikt der Meinung sind, dass es eine ärztliche Aufgabe ist, und die sich nicht so gerne Vorschriften machen lassen.« Für sie selbst seien die Anregungen jedoch sehr positiv – zumal die Entscheidung über die Therapie letztlich Arztsache bleibe. »Außerdem äußern Patienten in der Apotheke manchmal auch Beschwerden oder Probleme, von der die Hausarztpraxis gar nichts wusste.«

Das Seminar hält Fröbel für sehr wichtig, um Studierenden die Angst vor Medikationsanalysen, aber auch vor der Kommunikation mit Ärzten zu nehmen. »Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen: der Arzt, der Apotheker und der Patient. Es geht darum, die Therapie für den Patienten sicher zu machen und ihm Lebensqualität zu schenken. Der Patient sollte für uns alle im Zentrum des Ganzen stehen. Und wie immer im Leben gilt: Wenn wir miteinander reden, können wir es nur besser machen.«

Das Seminar will das Team aus Heringen in den kommenden Jahren wieder anbieten. »Es ist einfach ganz viel Herzensangelegenheit, ganz viel Motivation. Und es ist die einmalige Chance, Menschen so kurz vor dem Berufseinstieg etwas mitzugeben, das sie in der Praxis anwenden können, um langfristig die Versorgung von Menschen zu verbessern«, sagte Göbel abschließend.

Frag die KI
Die experimentelle KI
von PZ und PTA-Forum
Die experimentelle KI
von PZ und PTA-Forum
Die experimentelle KI
von PZ und PTA-Forum
 
FAQ
BETA
Menü
Zeit
SENDEN
Wie kann man die CAR-T-Zelltherapie einfach erklären?
Warum gibt es keinen Impfstoff gegen HIV?
Was hat der BGH im Fall von AvP entschieden?
Zeit
GESAMTER ZEITRAUM
3 JAHRE
1 JAHR
Senden
SENDEN
KI
IHRE FRAGE WIRD BEARBEITET ...
KI
KI
UNSERE ANTWORT
QUELLEN
22.01.2023 – Fehlende Evidenz?
LAV Niedersachsen sieht Verbesserungsbedarf
» ... Frag die KI ist ein experimentelles Angebot der Pharmazeutischen Zeitung. Es nutzt Künstliche Intelligenz, um Fragen zu Themen der Branche zu beantworten. Die Antworten basieren auf dem Artikelarchiv der Pharmazeutischen Zeitung und des PTA-Forums. Die durch die KI generierten Antworten sind mit Links zu den Originalartikeln. ... «
Ihr Feedback
War diese Antwort für Sie hilfreich?
 
 
FEEDBACK SENDEN
FAQ
Was ist »Frag die KI«?
»Frag die KI« ist ein experimentelles Angebot der Pharmazeutischen Zeitung. Es nutzt Künstliche Intelligenz, um Fragen zu Themen der Branche zu beantworten. Die Antworten basieren auf dem Artikelarchiv der Pharmazeutischen Zeitung und des PTA-Forums. Die durch die KI generierten Antworten sind mit Links zu den Originalartikeln der Pharmazeutischen Zeitung und des PTA-Forums versehen, in denen mehr Informationen zu finden sind. Die Redaktion der Pharmazeutischen Zeitung verfolgt in ihren Artikeln das Ziel, kompetent, seriös, umfassend und zeitnah über berufspolitische und gesundheitspolitische Entwicklungen, relevante Entwicklungen in der pharmazeutischen Forschung sowie den aktuellen Stand der pharmazeutischen Praxis zu informieren.
Was sollte ich bei den Fragen beachten?
Damit die KI die besten und hilfreichsten Antworten geben kann, sollten verschiedene Tipps beachtet werden. Die Frage sollte möglichst präzise gestellt werden. Denn je genauer die Frage formuliert ist, desto zielgerichteter kann die KI antworten. Vollständige Sätze erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer guten Antwort.
Wie nutze ich den Zeitfilter?
Damit die KI sich bei ihrer Antwort auf aktuelle Beiträge beschränkt, kann die Suche zeitlich eingegrenzt werden. Artikel, die älter als sieben Jahre sind, werden derzeit nicht berücksichtigt.
Sind die Ergebnisse der KI-Fragen durchweg korrekt?
Die KI kann nicht auf jede Frage eine Antwort liefern. Wenn die Frage ein Thema betrifft, zu dem wir keine Artikel veröffentlicht haben, wird die KI dies in ihrer Antwort entsprechend mitteilen. Es besteht zudem eine Wahrscheinlichkeit, dass die Antwort unvollständig, veraltet oder falsch sein kann. Die Redaktion der Pharmazeutischen Zeitung übernimmt keine Verantwortung für die Richtigkeit der KI-Antworten.
Werden meine Daten gespeichert oder verarbeitet?
Wir nutzen gestellte Fragen und Feedback ausschließlich zur Generierung einer Antwort innerhalb unserer Anwendung und zur Verbesserung der Qualität zukünftiger Ergebnisse. Dabei werden keine zusätzlichen personenbezogenen Daten erfasst oder gespeichert.

Mehr von Avoxa