| Alexander Müller |
| 24.02.2026 12:00 Uhr |
© Sandra Schneider/Spreekind-Fotografie / PZ
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat sich festgelegt: Die Honorarerhöhung muss kommen, die Apotheken könnten sich darauf verlassen, versicherte sie beim PZ-Talk »Alex’ Doppelte Dosis«. Ihre Finanzkommission soll das Geld dafür woanders einsparen. Politisch ungemütlich, ja, aber auch politisch gut begründbar und folgerichtig mit Blick auf das neue Primärversorgungssystem.
Und es soll bitte niemand kommen und lamentieren, das Geld sei nicht da. Bei den in Rede stehenden Summen ist der politische Wille die entscheidende Größe, nicht wirtschaftliche Zwänge.
Jetzt kommt ausgerechnet die Union daher und will für das Fixum den pDL-Topf plündern. Nur als Übergang, vielleicht für ein halbes Jahr. Der Vorteil: Die Apotheken hätten erstmal ihre 9,50 Euro und könnten von diesem Sockel in die Verhandlungen mit den Kassen starten.
Das Signal wäre trotzdem fatal: Dieses Geld steht für eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten bereit. Die Apotheken müssen sich vielleicht den Vorwurf gefallen lassen, diese neuen Möglichkeiten nicht mit letztem Einsatz in die Fläche gebracht zu haben. Aber der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat auch nicht ohne Grund die pDL-Preise gekündigt. Die Vergütung muss steigen, damit mehr pDL erbracht werden. Dass die Kassen damit langfristig Geld sparen, hatte die Politik eigentlich schon verstanden. Wenn der Gesetzgeber dieses Pflänzchen jetzt wieder zertritt, weil ihm die Courage fehlt, für die eigenen Vorhaben einzustehen, wäre das eine gesundheitspolitische Bankrotterklärung.
Dass der pDL-Topf-Raubzug zu diesem Zeitpunkt in das Gesetzgebungsverfahren eingeschleust wird, spiegelt leider eine generelle Orientierungslosigkeit in der Koalition wider. So gesehen bei der PTA-Vertretung: Erst wurde Lauterbachs Idee wieder ausgebuddelt, im zweiten Anlauf dann ein verkompliziertes Modell präsentiert, mit dem niemandem geholfen ist.
Kein maximal flexibilisierter Personaleinsatz für die Verfechter, keine Perspektive für PTA und dabei gleichzeitig eine apothekenrechtliche Zeitbombe, weil die »Apotheke ohne Apotheker« genau der Hebel ist, auf den alle warten, die das System grundsätzlich infrage stellen und die Arzneimittelversorgung billiger machen wollen auf Kosten der Qualität. Diese Reform bedarf einer grundlegenden Überarbeitung.