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Lippenherpes
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Die Dos and Don’ts

Lippenpflege mit Lichtschutzfaktor ist im Sommer ein Muss für Menschen, die immer wieder unter schmerzhaften Herpesbläschen an den Lippen leiden. UV-Strahlung gilt als einer der häufigsten Reaktivatoren der Herpes-simplex-Viren. Was man sonst noch dagegen tun kann und was man besser lässt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 22.07.2024  11:00 Uhr

Die Lokaltherapie verspricht den besten Erfolg, wenn man möglichst früh, also im Prodromalstadium, beginnt. Aciclovir (wie Zovirax®, auch in Kombination mit Hydrocortison) und Penciclovir (wie Pencivir®) sollten fünf- bis sechsmal täglich aufgetragen werden, um die Virus-DNA-Synthese und damit die Virenvermehrung in den infizierten Zellen unterbinden zu können.

Das erklärt, warum es so wichtig ist, das Präparat bereits beim allerersten Kribbeln einzusetzen: Zu diesem Zeitpunkt ist die Zahl der Viren noch gering – und die Wahrscheinlichkeit, den Lippenherpes in seiner vollen Blüte zu verhindern und Schmerzen zu lindern, am größten. Sobald die Verkrustungsphase erreicht ist, ist eine Behandlung mit Virustatika nicht mehr sinnvoll – dann kann nur noch die Abheilung unterstützt werden.

Einen etwas anderen Wirkmechanismus haben tetrapodales Zinkoxid (Afinovir® Wundschutzgel) und ein Mikroalgen-Extrakt aus Spirulina platensis (Ilon® Lippencreme HS, transparent): Beide sollen – wenn auch auf unterschiedliche Weise -die Herpesviren deaktivieren können, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, Zellen zu infiltrieren. Die spezielle Oberflächenstruktur von tetrapodalem Zinkoxid – selbst antiseptisch – ermöglicht es, Herpesviren physikalisch zu binden. Die Hydrogel-Formulierung bildet darüber hinaus eine Schutzbarriere gegen die Viren und fördert die Abheilung.

Beim Mikroalgen-Extrakt verhindert ein Zuckermolekül das Anheften und Eindringen des Herpesvirus in die Keratinozyten des Wirts, indem es sich als eine Art Film über die Zellen legt. Das hilft, benachbarte, nicht infizierte Zellen zu schützen, und kurbelt gleichzeitig die Zellregeneration an. Der zusätzlich in der Ilon-Formulierung enthaltene Lichtschutzfaktor 10 unterstützt die protektive Wirkung.

Auch Herpespflaster (wie Compeed® Herpes Patch) haben mehrere Effekte: Durch Abdeckung der betroffenen Hautpartie verhindern sie die Gefahr der Verbreitung von Viren. Außerdem unterstützen sie die Wundheilung nach dem Prinzip der feuchten Wundversorgung. Die Barriere schützt die Wunde außerdem vor weiteren Keimen. Theoretisch können die Patches Herpespflaster überschminkt werden und die unschönen Bläschen somit kaschieren.

Klar: Hygiene muss während der Therapie großgeschrieben werden. So kommen die lokalen Zubereitungen am besten per Wattestäbchen auf die lädierten und angrenzenden Hautpartien. Ansonsten gilt:

  • Herpesbläschen nicht öffnen und möglichst nicht berühren.
  • Wundschorf nicht entfernen.
  • Auslösende Faktoren wenn möglich meiden.
  • Auf ausreichend Lichtschutzfaktor achten.
  • Auf ausreichend Handhygiene achten. Da HSV-1 und HSV-2 behüllte Viren sind, reicht Händewaschen mit Seife zur Inaktivierung aus. Für unterwegs sind geeignete Händedesinfektionsmittel praktisch.
  • Kein Essbesteck, Gläser oder Ähnliches mit anderen Personen teilen und Handtücher bei mindestens 60 °C waschen.
  • Fingernägel kauen unterlassen.
  • Nicht ins Auge fassen, vorsichtshalber von Kontaktlinsen auf Brille wechseln.
  • Aufs Küssen verzichten.

Über die Grenzen der Selbstmedikation informiert diese Zusammenstellung

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