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Studie der Uni Leipzig
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Der Weg aus dem pDL-Dilemma

Zeit- und Personalmangel sowie Bürokratie sind die größten Feinde der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL). Trotzdem planen viele Apotheken laut einer Studie, den Service auszubauen. Wie lassen sich die Hürden überwinden?
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 20.12.2024  16:00 Uhr

Seit Juni 2022 können Vor-Ort-Apotheken ihren Patienten fünf pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) anbieten. Doch die Betriebe implementieren diese nur zögerlich. Woran liegt das? Ann-Christin Krönert und Thilo Bertsche aus der Klinischen Pharmazie der Universität Leipzig sind dieser Frage nachgegangen. Dazu führten sie eine bundesweite Online-Befragung in Kooperationen mit den Landesapothekerkammern durch. Insgesamt hatten 218 Apotheker aus ebenso vielen verschiedenen Offizinen daran teilgenommen.

Die am häufigsten genannten Barrieren, die dem pDL-Angebot entgegenstehen, sind demnach Zeitmangel (48 Prozent) und fehlendes pharmazeutisches Personal (43 Prozent). Die Apotheken beklagen zudem einen zu hohen Dokumentationsaufwand (48 Prozent) und zu große Datenschutzauflagen (43 Prozent).

Zudem ist bei vielen Offizinen die Nachfrage insbesondere für Beratungen zur Organtransplantation und Antitumortherapie aktuell sehr gering. Die Medikationsberatung bei Polymedikation wird zwar häufiger in Anspruch genommen, ist dafür aber mit anderen Schwierigkeiten verbunden. Denn in diesem Zusammenhang tauchen für einige Vor-Ort-Apotheken demnach Probleme in der Kommunikation mit den Arztpraxen auf. Darüber hinaus haben der Studie zufolge einige Apothekerinnen und Apotheker Sorge, mit den Ärztinnen und Ärzten in Konkurrenz zu treten. Bei jenen Apotheken, die bislang noch keine honorierte pharmazeutische Dienstleistung angeboten hätten, spiele außerdem die zu geringe Vergütung eine Rolle, heißt es.

Verbesserungen sind nötig

Trotz aller Hürden können sich dennoch zwei Drittel der befragten Apotheken, die derzeit noch kein entsprechendes Angebot haben, vorstellen, diese Services zukünftig anzubieten. In mehr als jeder zweiten Apotheke ist zudem geplant, das bereits bestehende pDL-Angebot auszuweiten.

Das Autorenteam kommt zu dem Schluss, dass pDL grundsätzlich ein wichtiges Instrument zur Erhöhung der Patientensicherheit darstellen. Damit das Konzept aber auch weiter an Bedeutung gewinnen könne, sollten die konstruktiven Verbesserungsvorschläge der Kolleginnen und Kollegen aus den Apotheken vor Ort künftig berücksichtigt werden, heißt es.

Insbesondere gelte es zu prüfen, wie sich der Dokumentationsaufwand reduzieren lässt. Außerdem sollte der bislang nur jährliche Turnus des honorierten Angebots auf den Prüfstand kommen, sprich: Wäre es nicht sinnvoller, wenn das pharmazeutische Personal selbst die Angebotshäufigkeit patientenindividuell festgelegt? Außerdem gelte es, die Dienstleistungen unter den Patientinnen und Patienten bekannter zu machen sowie die Kommunikation mit den Ärzten zu optimieren.

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