Der GKV-Spitzenverband erklärt in einem Kurzvideo, wie die Apothekenvergütung gehandhabt wird – die Betonung liegt auf »kurz«. / © Imago/NurPhoto
Der Kassenverband stellt in einem aktuellen Linked-In-Post fest, dass das Gesundheitswesen »recht kompliziert« sei, und zeigt das zweiminütige Video: »Apothekenvergütung – kurz erklärt«. Die Geschichte zieht der Verband anhand des fiktiven Asthma-Patienten Thorsten auf, der in der Apotheke sein Medikament bekommt – das mehr als 260 Euro kostet. Weil Thorsten aber gesetzlich versichert ist, muss er außer der gesetzlichen Zuzahlung nichts beisteuern. »Aber wie kommt die Apotheke an ihr Geld?«, fragt die Sprecherin im Video.
Der Verband erklärt, dass »84 Prozent« des Apothekenumsatzes aus der Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten resultierten. Auf den Posten geht er dann näher ein und beschreibt die Zusammensetzung der Vergütung: Fixum, die Cent-Beträge, die in den Nacht- und Notdienstfonds (NNF) fließen, sowie, als »wichtigster Posten«, die 3-Prozent-Marge auf den Apotheken-Einkaufspreis.
»Was heißt das jetzt konkret?«, wird gefragt – womit man schnell bei den Hochpreisern ist. Es heißt: »Je höher der Einkaufspreis ist, desto mehr Geld erhält die Apotheke.« Der Spitzenverband zieht im Video insgesamt eine positive Bilanz für die Vor-Ort-Apotheken, da »in den vergangenen Jahren viele neue und sehr hochpreisige Arzneimittel auf den Markt gekommen sind«.
Weder wird in dem Video die riskante Vorfinanzierung der Hochpreiser erwähnt, noch die insgesamt steigenden Kosten der Apotheken, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Im Gegenteil: Der Spitzenverband stellt die These auf, »da in den vergangenen Jahren viele neue und sehr hochpreisige Arzneimittel auf den Markt gekommen sind, steigt der Nettoumsatz deutscher Apotheken stetig an«. Der Verband schließt das Video mit der Feststellung, dass die Beitragszahlenden der GKV »so die Apotheken finanzieren«.
Entsprechend verärgert sind die Kommentare unter dem Post. »Es ist schon vielsagend, dass beim Fixaufschlag die Brutto-, beim Zwangsrabatt die Netto-Summe genannt wird! Dazu dann noch den 3% Aufschlag als wichtigste Vergütung (ist nur ein - zu niedriger - Aufschlag für Vorfinanzierung des Warenlagers und Risikoprämie) darzustellen ist einfach nur unredlich«, schreibt ein User.
Ein anderer ergänzt: »Wer die 3-Prozent-Vergütung in den Fokus rückt, verkennt die ökonomische Realität in den Apotheken. Das Fixum ist essenziell für das ›Brot-und-Butter-Geschäft‹ und damit die Arzneimittelversorgung vor Ort in Stadt und Land. Es soll die qualifizierte Beratung und den gesamten Apothekenbetrieb finanzieren. Dass dieses Fixum seit 2013 eingefroren ist, während die Inflation und die Energiekosten davonlaufen, ist das Kernproblem des Apothekensterbens.«