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»Oster-Frist« für E-Rezept-Probleme
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DAV bringt rosa Rezept ins Spiel

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) ruft das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und die Gematik dazu auf, die Ausfälle im E-Rezept-System umgehend zu lösen. Spätestens bis Ostern müsse das System stabilisiert sein, sonst müssten die Apotheken zeitweise zu »Ersatzverfahren« übergehen, so DAV-Chef Hans-Peter Hubmann.
AutorKontaktPZ
Datum 15.03.2024  13:45 Uhr

Seit einigen Wochen kommt es beim E-Rezept immer wieder zu teilweise flächendeckenden Ausfällen. Erst heute Morgen musste die Gematik wieder eine Störung melden.

Der DAV selbst habe keinen Einfluss auf die technischen Probleme, die in den Apotheken und Arztpraxen derzeit für ein Versorgungschaos sorgen, stellte der DAV-Vorsitzende Hubmann klar. »Daher rufen wir die Gematik und das Ministerium auf, das E-Rezept-System bis spätestens Ostern zu stabilisieren. Sollte das nicht gelingen, werden wir uns als Apothekerschaft auch gegenüber den anderen Leistungserbringer-Gruppen im Gesundheitswesen dafür aussprechen, in ein zeitweises Ersatzverfahren überzugehen, um langfristig das Vertrauen in digitale Lösungen zu erhalten.«

Mit anderen Worten: Wenn die Probleme weiterhin auftreten, wird sich der DAV gegenüber der Ärzteschaft dafür einsetzen, dass wieder auf Muster 16 verordnet wird. Tatsächlich gibt es in § 360 Sozialgesetzbuch V (SGB V) eine Ausnahme von der E-Rezept-Pflicht. Diese entfällt, wenn eine digitale Verordnung »aus technischen Gründen im Einzelfall nicht möglich ist«.

Aus Sicht des DAV ist das System derzeit nicht zuverlässig genug: »Unsere Patientinnen und Patienten benötigen eine stabile, schnelle und unkomplizierte Versorgung mit Arzneimitteln. Doch die vom Bundesgesundheitsministerium und der Gematik aufgebaute E-Rezept-Struktur kommt diesen Anforderungen derzeit nicht nach«, so Hubmann.

Immer wieder müssten die Apothekenteams bei der Arzneimittelabgabe vertrösten, weil E-Rezepte nicht abrufbar seien. Zwar funktioniere der zentrale E-Rezept-Server meist gut. Dafür fielen andere relevante Systeme regelmäßig aus und blockierten die Arzneimittelversorgung. »Das ist ein nicht tragbarer Zustand, der von den Architekten dieses Systems – dem BMG und der Gematik – umgehend gelöst werden muss«, so Hubmann.

Der DAV-Vorsitzende verlangt zudem, dass die Expertise der am System beteiligten Leistungserbringer stärker eingebunden wird: »Um das erst kürzlich flächendeckend ausgerollte System endlich fehlerfrei zu betreiben, muss umgehend nach Auftreten von relevanten Fehlern ein Krisenstab eingesetzt werden, in den unbedingt auch die Expertise der betroffenen Gruppen eingebunden werden muss.«

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