Wer erwartet, dass andere Menschen auf die eigenen ›Triggerpunkte‹ Rücksicht nehmen, wird nur enttäuscht, betont ein Psychologe. / © Adobe Stock/master1305
»Das hat mich total getriggert« – egal ob auf Instagram, Tiktok oder YouTube: Wer aufmerksam hinhört, dem begegnet diese Formulierung in den sozialen Medien genauso wie in der Alltagssprache. Der Psychologe und Psychotherapeut Christian Rupp hält die alltagssprachliche Verwendung von Varianten des Wortes »triggern« in vielen Fällen allerdings für problematisch.
Unter anderem deshalb, weil mit Formulierungen dieser Art die »Verantwortung für die Auslösung des Gefühls dem Gegenüber zugeschoben wird«, wie Rupp auf seinem Blog schreibt. Der Trend, »primär andere Menschen für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen«, betrachte er mit großer Sorge. Denn: So erreiche man das Gegenteil von Selbstwirksamkeit. Statt Verantwortung für das eigene Gefühl zu übernehmen, zementiere man das »Selbstbild als hilfloses Opfer, dem ›Böses angetan‹ wurde«.
Langfristig könnte das zu »chronifizierten psychischen Problemen« führen, schreibt der Psychotherapeut weiter. Denn die eingenommene Opferrolle gehe mit dem Anspruch an die Menschen im eigenen Umfeld einher, dass sie »gefälligst Rücksicht auf die eigenen ›Triggerpunkte‹ zu nehmen haben«. Das sei ein »völlig überhöhter und unrealistischer Anspruch«, der letzten Endes nur enttäuscht werden könne.
Rupp macht an einem Beispiel deutlich, was er für einen besseren sprachlichen Umgang hält. Die Situation: Eine Person, die durch wiederholte Lernerfahrungen mit einer abwertenden, demütigenden Mutter eine Prägung dahingehend erworben hat, sich selbst für klein, unfähig und wertlos zu halten, wird beim Bäcker flapsig angesprochen.
Anstatt davon zu sprechen, »getriggert« worden zu sein, ist dem Psychotherapeuten eine Formulierung wie »Das Verhalten hat bei mir Scham ausgelöst und mich klein fühlen lassen, weil mich ihr Tonfall an das herabwürdigende Verhalten meiner Mutter erinnert hat«, passender.
Die sprechende Person macht dem Psychologen zufolge so klar, woran sie selbst ansetzen kann, wenn sie das Gefühl bewältigen möchte. In diesem Beispiel etwa an der eigenen biografischen Prägung, für die sie selbst keine Schuld trägt. »Die Verantwortung für den Umgang mit dieser Prägung in der Gegenwart obliegt ihr derweil sehr wohl, ob sie nun will oder nicht«, so Rupp.