| Jennifer Evans |
| 06.02.2026 09:00 Uhr |
Einsamkeit im Job ist laut einer Studie ein unterschätztes Risiko. / © Adobe Stock/Halfpoint
Einsamkeit findet längst nicht mehr nur auf dem heimischen Sofa statt, sondern zunehmend auch hinter dem Schreibtisch. Forschende der Portland State University haben jahrzehntelange Untersuchungen zur Einsamkeit am Arbeitsplatz zusammengeführt und mehr als 230 Studien ausgewertet.
Wie die Analyse im Fachblatt »Journal of Management« zeigt, ist das Gefühl mangelnder sozialer Verbundenheit im Job keine Randerscheinung. Selbst in modernen, gut gefüllten Büros können sich Beschäftigte allein fühlen.
Dazu beigetragen haben nach Einschätzung der Forschenden vor allem die digitale Vernetzung mit weniger persönlichem Austausch sowie ein verschärfter Wettbewerb, der den Druck auf viele Beschäftigte erhöht. Beides führt dazu, dass Menschen sich sowohl privat als auch beruflich zunehmend isoliert fühlen.
Kurzzeitige Einsamkeit, so die Studie, wirkt wie ein biologisches Warnsignal, vergleichbar mit Hunger. Sie motiviert dazu, soziale Nähe zu suchen. Problematisch wird es jedoch, wenn dieses Gefühl zum Dauerzustand wird. Dann leidet nicht nur das emotionale Gleichgewicht, sondern auch Konzentration, Leistungsfähigkeit und mentale Gesundheit.
Zwar schützt ein fester Job grundsätzlich vor sozialer Entfremdung – Arbeitslose und Ruheständler berichten von deutlich höheren Einsamkeitswerten. Doch nicht jeder Arbeitsplatz wirkt als sozialer Puffer. Hoher Stress, geringe Entscheidungsfreiheit und schlechte Führung mit wenig Unterstützung erhöhen das Risiko erheblich, sich einsam zu fühlen.
Außerdem ist Einsamkeit ansteckend. Führungskräfte, die sich sozial entfremdet fühlen, arbeiten weniger effektiv und ziehen ihre Teams ungewollt mit nach unten. Der Arbeitsplatz kann somit paradoxerweise sowohl Schutzraum als auch Auslöser für Einsamkeit sein.
Unternehmen können dieser Entwicklung jedoch entgegenwirken – etwa durch bessere Führung, die Förderung sozialer Kompetenzen, Trainings zu Stressbewältigung oder Achtsamkeit sowie durch die Unterstützung ehrenamtlichen Engagements.
Die Forschenden plädieren zudem für offene Kommunikation und Räume, die soziale Interaktion ermöglichen. Eine einheitliche Lösung gegen arbeitsbedingte Einsamkeit halten sie allerdings für unwahrscheinlich.