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Primärversorgung
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»Da, wo die Menschen ohnehin sind«

Apotheken sollen mehr Kompetenzen bei Prävention und Früherkennung bekommen. Die Pläne werden derzeit abgestimmt. Niedrigschwellige Angebote müssten besser genutzt werden, fordert Pharma Deutschland. Apotheken könnten dabei als »Einstieg ins System« fungieren, heißt es vom niedersächsischen Gesundheitsministerium.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 27.01.2026  14:30 Uhr

Vorsorge vereinfachen, niedrigschwellige Präventions- und Früherkennungsangebote machen: Apotheken sollen laut den aktuellen Reformplänen künftig eine größere Rolle in der Primärversorgung spielen. Sie sollen mehr testen und impfen, leichter Arzneimittel abgeben und austauschen können und sich mit pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) stärker in die Prävention einbringen. 

Im Gesetzesvorhaben finden sich viele Punkte aus dem Zukunftspapier Apotheke wieder, das im vergangenen April vorgestellt wurde. Derzeit befinden sich die Pläne zum Primärversorgungssystem in der regierungsinternen Abstimmung, heute will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) über ein »Auftaktgespräch für den Fachdialog zum Primärversorgungssystem« informieren.

Bei der Prävention sieht der Herstellerverband Pharma Deutschland noch Luft nach oben. Viele Menschen nutzten zwar die klassischen Angebote wie Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt (58,7 Prozent) und Impfungen (61,3 Prozent), heißt es in einer Mitteilung zum Gesundheitsmonitor 2026. Bei leichter zugänglichen Angeboten mussten demnach aber viele Befragte passen. Besonders negativ fällt dem Verband auf, dass nur wenige Menschen Apotheken »als niedrigschwellige, wohnortnahe Anlaufstellen« bei der Prävention auf dem Schirm haben. Gerade einmal 3,1 Prozent der Befragten hätten dort in den vergangenen zwei Jahren ein Angebot wie etwa Blutdruckmessung wahrgenommen. 

Präventionsinfrastruktur »unterentwickelt«

Die Gesetzespläne, die Apotheken eine stärkere Rolle bei der Prävention einräumen, seien mithin sinnvoll. Apotheken böten »schon heute gute pharmazeutische Dienstleistungen zur Früherkennung an, und mit der im Dezember 2025 vom Bundeskabinett beschlossenen Apothekenreform werden ihre Möglichkeiten noch erheblich ausgeweitet«.

Die deutsche Präventionsinfrastruktur sei im europäischen Vergleich »unterentwickelt«, kritisierte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin des Verbands. Und selbst die bestehenden Angebote würden von einem Fünftel der Bevölkerung nicht angenommen. In den Reformplänen fänden sich »gute Ansätze, um die Prävention stärker dort anzubieten, wo die Menschen im Alltag ohnehin sind: in der Apotheke um die Ecke oder bei digitalen Angeboten«.

Beraten und über Medikation aufklären

Apotheken als erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sieht auch Andreas Philippi (SPD), niedersächsischer Gesundheitsminister und derzeit Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), als wichtigen Baustein im geplanten Primärversorgungsmodell. Apotheken könnten bei leichten Beschwerden eine erste Beratung vornehmen und auch über die notwendige Medikation aufklären, heißt es vom niedersächsischen Gesundheitsministerium.

Eine Entlastung für Patienten und Arztpraxen könne die künftige digitale Jahresverordnungen für chronisch Kranke sein, damit die betroffenen Patientinnen und Patienten direkt in die Apotheken kommen könnten, um sich das Medikament abzuholen. Damit müssten sie nicht mehr wie bisher jedes Quartal in die Praxis kommen und sich ein Rezept abholen. »Für viele Menschen sind Apotheken ein Ort, an dem sie sich beraten lassen und nachfragen. Damit sind sie der Einstieg ins System. Apotheken können dabei helfen, strukturiert weiterzuleiten«, so ein Ministeriumssprecher.

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