| Annette Rößler |
| 25.02.2026 09:00 Uhr |
Das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall kann durch die Einnahme von täglich 0,5 mg Colchicin gesenkt werden. / © Getty Images/Halfpoint Images
Colxi™ Filmtabletten von Apontis Pharma sind zum 1. März als Neueinführung in Deutschland angekündigt. Die Tabletten enthalten 0,5 mg Colchicin und haben ein neues Indikationsgebiet: Sie sollen bei Patienten mit atherosklerotischer koronarer Herzerkrankung (KHK) und vor Kurzem stattgefundenem Herzinfarkt zusätzlich zu Standardtherapien gegeben werden und zur Prophylaxe von ischämischen kardiovaskulären Ereignissen dienen. Die Wirkung beruht auf dem antiinflammatorischen Effekt von Colchicin.
Verfügbar wird zunächst eine Packung mit 28 Stück (PZN 20196413) für 116,81 Euro. Damit wird Colchicin in der neuen Indikation ein gutes Stück teurer sein als in den bereits etablierten Einsatzgebieten Gicht und familiäres Mittelmeerfieber.
In den USA erfolgte die Indikationserweiterung bereits 2023. Dort waren dafür die Ergebnisse der Studie LoDoCo2 (Low Dose Colchicin zur Sekundärprävention) ausschlaggebend, die 2020 im »New England Journal of Medicine« publiziert worden waren. Colchicin in der Dosierung 0,5 mg täglich als Ergänzung zur Standardtherapie senkte darin das relative Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärer Tod bei KHK-Patienten um 31 Prozent – ein »sensationelles Ergebnis«, wie Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz beim folgenden Pharmacon in Meran betonte.
Der Vorteil durch Colchicin konnte in mehreren anderen Studien bestätigt werden, sodass auch eine kürzlich im »European Heart Journal« veröffentlichte Metaanalyse ein positives Fazit zog: Colchicin reduziere das Risiko für MACE signifikant bei allen kardiovaskulären Grunderkrankungen und in allen Ethnien. Der Schwellenwert für eine wirksame Behandlung liege bei 0,5 mg täglich über sechs Monate.
Aufgrund der überzeugenden Evidenz enthalten internationale Leitlinien – auch die europäische – bereits Empfehlungen für Colchicin zur Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Ereignissen. Darauf wurde 2025 in einer Diskussionsrunde beim europäischen Kardiologenkongress hingewiesen, über die das »Deutsche Ärzteblatt« berichtete.
Die Empfehlung sei allerdings noch relativ unbekannt, weshalb Colchicin noch viel zu selten eingesetzt werde, hieß es dort. »Nur eine Handvoll Ärztinnen und Ärzte und ein paar Hundert Patientinnen und Patienten erhalten Colchicin aus vaskulärer Indikation in Kombination etwa mit Statinen oder Acetylsalicylsäure«, sagte etwa Professor Dr. Ulrich Laufs, Kardiologe am Universitätsklinikum Leipzig, bei der Veranstaltung.
Möglicherweise wird die Einführung eines zugelassenen Präparats in dieser Indikation den Bekanntheitsgrad nun steigern. Ob sich die Verordner uneingeschränkt darüber freuen werden, darf jedoch bezweifelt werden: Sobald ein zugelassenes Präparat zur Verfügung steht, ist der Off-Label-Einsatz anderer Colchicin-haltiger Präparate nicht mehr zulässig. Diese sind jedoch preislich deutlich günstiger als der Neuling.