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Archäologie trifft Medizin
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Chirurgie im Römischen Reich

Eine alte Villa in Rimini mit mehr als 150 erhaltenen chirurgischen Instrumenten gibt Einblick in die medizinische Praxis der Antike. Der berühmte Badeort an der Adriaküste besinnt sich zunehmend auf seine kulturellen Schätze.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 07.11.2025  09:00 Uhr

Im Herzen des antiken Ariminum – dem heutigen Rimini – liegt das »Haus des Chirurgen«. Es gehörte dem römischen Arzt Eutyches, der vor fast 2000 Jahren wirkte. Per Zufall fanden Archäologinnen und Archäologen seine Wohnräume und mehr als 150 gut erhaltene chirurgische Instrumente aus Bronze und Eisen bei einer Neugestaltung rund um die Piazza Ferrari im Jahr 1989.

Unter der Schuttschicht kamen Skalpelle, Pinzetten, Wundhaken, Bohrer und Zangen zum Vorschein. Werkzeuge, die modernen chirurgischen Instrumenten ähneln. Sie belegen, dass Eutyches Knochenbrüche, Augenkrankheiten sowie Verletzungen von Weichteilen behandelte. Ein Trepanationsbohrer lässt sogar auf Eingriffe am Schädel schließen, die große Präzision und anatomisches Wissen erforderten.

Viele Werkzeuge hatten schon damals austauschbare Klingen, Gewinde und Hebel, die von einem Verständnis für Ergonomie und Hygiene erzählen. Das Highlight: Der »Löffel des Diokles«, ein Bronzestiel, der in einer Lamelle mit einem Loch in der Mitte endet, die dazu diente, Pfeilspitzen aus dem Fleisch zu entfernen.

Eutyches stellte auch Arzneien her

Der Fund in Rimini zeigt, dass es in der medizinischen Versorgung im römischen Reich offenbar um viel mehr ging als die bloße Wundversorgung. Neben der Chirurgie spielte offenbar auch die Pharmazie eine Rolle. Mörser, Salbengefäße und Spatel deuten darauf hin, dass Eutyches seine Heilmittel selbst herstellte. Die Behandlung basierte jedoch seinerzeit auf Erfahrung, etwaige Nebenwirkungen verstand man oft nicht.

Anders als heutige Fachärzte praktizierte der Chirurg als Allrounder, der Küche, Studienzimmer, Behandlungsräume sowie OPs und Nachsorge unter einem Dach vereinte, in einer sogenannten »taberna medica«, einer Art Ambulanz, die zum Innenhof des Hauses hinausging.

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