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Spezialisierte KI
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ChatGPT bekommt eigenen Gesundheitsbereich

Das auf US-Unternehmen OpenAI hat einen eigenen Gesundheitsbereich im Sprachmodell ChatGPT vorgestellt. »ChatGPT Gesundheit« soll präzisere Antworten zu Gesundheitsfragen bieten, indem es medizinische Daten der Nutzer auswertet.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 14.01.2026  13:30 Uhr

Das Sprachmodell ChatGPT von OpenAI soll in Zukunft auf medizinische Unterlagen und Daten aus Wellness-Apps von Usern zugreifen können, um Antworten auf Gesundheitsanfragen relevanter zu gestalten. Den spezialisierten Bereich »ChatGPT Gesundheit« stellte das Unternehmen am 7. Januar in den USA vor. Schon jetzt ist Gesundheit ein wichtiger Anwendungsbereich von ChatGPT: Weltweit stellten mehr als 230 Millionen Menschen jede Woche Fragen zu Gesundheit und Wohlbefinden auf ChatGPT, heißt es vom Herstellerunternehme in einer Mitteilung.

Der neue Bereich im Sprachmodell solle helfen, die eigene Gesundheitssituation besser zu verstehen, sich eventuell auch auf Arztgespräche vorzubereiten oder gesunde Routinen zu entwickeln. Er wurde in enger Zusammenarbeit mit 260 Ärztinnen und Ärzten aus 60 Ländern im Verlauf von zwei Jahren entwickelt, betont das Unternehmen. Die Mediziner hätten durch Feedbacks zu Modellchats das Sprachmodell unter anderem darauf trainiert, möglichst hilfreiche und gut verständliche Antworten zu liefern und an den richtigen Stellen zu einem Arztbesuch zu raten. Es sei darauf ausgelegt, »die medizinische Versorgung zu unterstützen, nicht sie zu ersetzen«, schreibt das Unternehmen. Es sei nicht für Diagnostik oder Behandlung gedacht.

Besonderer Schutz für sensible Gesundheitsdaten

ChatGPT Gesundheit stehe bisher nur einzelnen Usern zur Testung und Weiterentwicklung zur Verfügung, heißt es in der Mitteilung. Der Zugang solle aber in den kommenden Wochen auf alle Interessierte ausgedehnt werden. Da es sich bei Gesundheitsdaten aus Patientenakten oder Fitness-Trackern um sehr sensible Daten handele, sei der Gesundheitsbereich mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen und erhöhtem Datenschutz ausgestattet. Die Gespräche in diesem isolierten Bereich seien zusätzlich verschlüsselt und würden auch nicht genutzt, um die Foundation-Modelle zu trainieren. Das Unternehmen rät dazu, in Zukunft Gesundheitsfragen in diesem geschützten Bereich zu stellen.

Dabei könne das Sprachmodell im Gesundheitsbereich aus nicht geschützten Chats des Users Informationen etwa verwenden – andersherum sei das aber nicht möglich. Im Gesundheitsbereich eingegebene Informationen blieben in diesem geschützten Bereich.

Mieves: ePA nicht an Anbieter wie OpenAI anbinden

Ob die Schutzmaßnahmen den Anforderungen der Europäischen Datenschutzgrundverordnung entsprechen, ist noch unklar. Erste Stimmen in Deutschland warnen schon vor dem KI-Gesundheitsberater. So schreibt etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Mieves, Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit und Digitales, auf LinkedIn: »Wenn wir Datenschutz und digitale Souveränität ernst nehmen, müssen Gesundheitsdaten auf europäischen Servern liegen. Eine Anbindung der elektronischen Patientenakte an Anbieter wie OpenAI ist für mich deswegen keine Option.« Zudem sei die Qualität der Antworten nicht garantiert, was ein Gesundheitsrisiko darstellen könne.

Insgesamt wird der Sprachmodellen in der Medizin großes Potenzial zugeschrieben. So arbeiten große Unternehmen wie Google und Microsoft etwa an Sprachmodell-basierten Diagnostiktools, die bereits jetzt gute Ergebnisse liefern und präziser diagnostizieren als Allgemeinärzte.

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