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Vierter E-Rezept-Weg
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Card-Link: Einheitliche Branchenlösung gefordert

Vergangene Woche hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) das Card-Link-Verfahren als vierten Einlöseweg durchgesetzt. Wie kann die Vor-Ort-Apotheke das Verfahren technisch umsetzen? Darüber sprach Apotheker Björn Schittenhelm beim PZ-Managementkongress.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 22.03.2024  14:30 Uhr

Ende Februar wurde die Hürde von 100 Millionen E-Rezepten geknackt. »Das ist ein extrem steiler Anstieg, mit dem nicht viele gerechnet haben«, sagte Björn Schittenhelm, Inhaber zweier Apotheken in Holzgerlingen und AByou-Gründungsmitglied, Vorstandsmitglied der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg sowie Aufsichtsratsmitglied bei Noventi, auf dem PZ-Managementkongress.

Trotz aller Bedenken der anderen Gesellschafter hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) bei der Gesellschafterversammlung der Gematik vergangene Woche das Card-Link-Verfahren durchgesetzt, was als vierter Weg zum Einlösen von E-Rezepten etabliert werden soll. Patientinnen und Patienten können ihre E-Rezepte mit einem NFC-fähigen Smartphone und ihrer elektronischen Gesundheitskarte (EGK) an Apotheken weiterleiten.

Konnektor für Abruf des Tokens notwendig

Derzeit sei die jetzige Technologie des Card-Link-Verfahrens jedoch nicht auf die Vor-Ort-Apotheken, sondern auf die Versender ausgelegt, sagte Schittenhelm. In vier bis sechs Wochen, das ist der frühestmögliche Start des Verfahrens, sei die Umsetzung all dieser technischen Schritte in den Vor-Ort-Apotheken noch nicht möglich. »Ich glaube nicht, dass das alles so schnell bei der Vor-Ort-Apotheke ankommt«, so der Apotheker. »An den Hype, wir müssen Card-Link haben, sonst ist Apotheke vor Ort verloren, glaube ich nicht.«

Schittenhelm sieht jedoch die Vorteile des Verfahrens, er ist überzeugt, dass sich die Technik mittelfristig durchsetzen werde. Es sei eine sichere und einfache Lösung aus Sicht des Endkunden und damit ein volldigitaler Einlöseweg. »Der springende Punkt ist aber, dass für den Abruf der E-Rezept-Token ein Konnektor nötig ist.« Derzeit gebe es noch viele technische Hürden, das Verfahren sei zu komplex und der Prozess bis zum Abruf der Verordnungsdaten aufgrund von Zwischenschritten dauere zwischen 5 und 40 Sekunden, wie Schittenhelm in einem aufgenommenen Testlauf zeigte. Zudem sei die Umsetzung technisch aufwendig und komplex.

Verschiedene Lösungsoptionen

Die neue volldigitale Lösungsoption des Card-Link-Verfahrens via TI-Gateway – die TI 2.0 – sieht Schittenhelm als den künftig gangbaren Weg: Dabei gibt es keinen Konnektor mehr und eine virtuelle SMC-B. Derzeit laufen für diese Option die Zertifizierungsprozesse, im dritten Quartal 2024 soll der Start sein.

Schittenhelm rät dazu, dass die Apotheken die Entwicklungen zum Card-Link-Verfahren beobachten. Er ist aber davon überzeugt, dass dieses Verfahren für die Vor-Ort-Apotheken nur mit einer einheitlichen Branchenlösung funktionieren kann. Dies wurde unter den Teilnehmern des PZ-Managementkongresses lebhaft diskutiert. Abwarten oder ausprobieren – in der Nutzung erster, meist kostenpflichtiger Angebote gab es für beide Strategien Argumente.

Im PZ-Videointerview spricht Björn Schittenhelm über die technischen Hürden des Card-Link-Verfahrens und wie die Apotheken vor Ort die Technologie nutzen können.

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