Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus (2.v.l.) hat sich mit Olaf Elsner, Alexandra Lappe, Sven Buttler und Claudia Scherrer (v.l.) über die schwierige Situation der Apotheken ausgetauscht. / © Linden-Apotheke
Um auf ihre prekäre wirtschaftliche Lage aufmerksam zu machen, schalteten viele Apotheken im Dezember aus Protest das Licht aus, nur die Notbeleuchtung tat bei der Aktion »Versorgungsblackout« ihren Dienst. Im Kreis Gütersloh in Ostwestfalen machten Apothekerinnen und Apotheker ihren Sorgen über die sich weiter zuspitzende Lage darüber hinaus mit einem Brandbrief an den CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus Luft. Tenor des Schreibens: die Flaute bei der Honoraranpassung. Brinkhaus reagierte auf den Brief und ließ sich nun in der Gütersloher Linden-Apotheke über die Gründe für den Protest und die aktuellen Probleme informieren.
In einer gemeinsamen Mitteilung berichten Apothekerkammer sowie -verband Westfalen-Lippe (AKWL/AVWL) über den Besuch. Kreisvertrauensapothekerin Claudia Scherrer (Apothekerkammer) und Sven Buttler, Vorsitzender der Bezirksgruppe Gütersloh des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), informierten demnach gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Lappe sowie Olaf Elsner (AVWL Vorstandsmitglied) den CDU-Politiker über die Ausmaße des anhaltenden Apothekensterbens. Im Kreis Gütersloh gibt es demnach aktuell noch 63 Apotheken, zehn Jahre zuvor waren es 79 – ein Rückgang von 20 Prozent.
Dass angesichts der Entwicklung das Versprechen der schwarz-roten Koalition bislang nicht umgesetzt wird, das Packungsfixum auf 9,50 Euro zu erhöhen, brennt den Apotheken unter den Nägeln, wie Brinkhaus in Gütersloh erfuhr. Zwar ist mit der Apothekenreform die Verhandlungslösung vorgesehen, die die Apotheken grundsätzlich begrüßen. Sie sei jedoch nicht geeignet, die Situation der Apotheken zu verbessern, kritisierten die Apothekenvertreterinnen und -vertreter. Die flächendeckende Versorgung gerate ohne ein höheres Fixum in Gefahr. Auch über das gefährliche Signal, das von einer PTA-Vertretungsbefugnis ausgehe, setzten die Apothekerinnen und Apotheker den Politiker in Kenntnis.
Brinkhaus stimmte den Einschätzungen laut der Mitteilung zu. »Die flächendeckende Notdienstversorgung durch die Apotheken vor Ort muss durch eine auskömmliche Finanzierung gewährleistet werden.« Auch in Bezug auf die Versorgungssicherheit in Krisen- und Katastrophenfällen hat Brinkhaus die Apotheken im Blick. Das flächendeckende Apothekennetz sei systemrelevant, die Apotheken müssten verstärkt in den Katastrophenschutz einbezogen werden. Dafür wolle er auf Kreisebene Brücken bauen.
Brinkhaus habe Verständnis für die Sorgen und Bedenken der Apothekerinnen und Apotheker signalisiert, schreiben Kammer und Verband. Er habe ihnen mit auf den Weg gegeben, ihre Themen und Anliegen noch klarer und geschlossener in die Öffentlichkeit zu tragen.