| Alexander Müller |
| 20.01.2026 14:00 Uhr |
Der Philosoph Professor Dr. Markus Gabriel sprach beim Pharmakon Schladming über Ethische Intelligenz. / © Alois Mueller
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Professor Dr. Markus Gabriel ist Inhaber des Lehrstuhls für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, dort außerdem Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie NRW. Seinen Vortrag über »Ethische Intelligenz« beim Bankabend der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) im Rahmen des Pharmacon Schladming eröffnete er mit einem kleinen Rückblick über die Geschichte Künstlicher Intelligenz (KI).
Auch wenn KI-Anwendungen erst in den vergangenen Jahren zum beherrschenden Thema geworden sind, geht die Entwicklung zurück bis in die 1930er-Jahre. Zugrunde liegt die einfache Formel: Was ein Mensch kann, kann eine Maschinen besser. Bei großen Rechenaufgaben war das schnell bewiesen. Dennoch glaubte der Mensch immer wieder, dass es Bereiche gibt, in denen er der KI überlegen bleibt.
Doch die intellektuellen Bastionen fielen eine nach der anderen: Gegen einen Schach-Computer ist selbst der Weltmeister schon seit etlichen Jahren chancenlos. Zudem weisen moderne KI-Systeme eine höhere emotionale Intelligenz auf als die meisten Psychotherapeuten, wie Gabriel ausführte.
Also hat sich der Mensch auf das Element des Lebendigen zurückgezogen. Es sei »ein schöner, aber frommer Glaube«, dass Intelligenz nur da existieren kann, wo es »Wetware« gibt, also lebendige Materie in Abgrenzung zu Soft- und Hardware. »Wir wissen einfach heute nicht genau, was Leben ist«, so Gabriel, der in diesem Zusammenhang auf kulturelle Unterschiede verwies, wie die Tatsache, dass in Japan Berge als Lebewesen gelten.
Als einen Wendepunkt markiert er das Jahr 1986, als künstliche neuronale Netze entstanden und Algorithmen verwendet wurden, die Trial-and-Error modellieren können. Damit wurde das Training der Maschinen tiefer und komplexere Architekturen möglich. Die Systeme können sich damit Datensätzen selbst nähern und feststellen, ob sie die Daten gut erfassen oder nicht. »Diese Systeme testen immer weiter, bis sie das Muster erkennen.«
Der mathematische Beweis, dass Maschinen solche Leistungen effizienter erbringen können als Menschen, ist also alt. Überraschend war dann eher, wie schnell das in immer neuen Bereichen ging. Im »KI-Winter« in den 1980er- und 1990er-Jahren sei die Rechenleistung einfach noch zu teuer gewesen, erklärte Gabriel.
Was die ab 2017 entwickelten GPT-Modelle können, ist, Aufmerksamkeit zu modellieren. Damit war Gabriel zufolge das nächste vermeintliche Hoheitsgebiet menschlicher Intelligenz gefallen: Kontexte zu verstehen. Dabei »hilft« der KI, dass auch der Mensch nicht aus rationalen Motivationen lebt. »Die Wirklichkeit besteht nicht aus Tatsachen und rationalen Prozessen, sondern aus mehr oder weniger zufälligen Situationen«, so Gabriel. Freiheitsgrade in der Entscheidung gebe es zwar, aber wenn wir Hunger haben, ist das Stück Kuchen vor uns die logische Lösung. Besser: Es erscheint uns als diese. »Wir manövrieren durch Kontextverstehen«, sagte Gabriel.