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Mikroprotein
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BRICK1 soll Herz nach Infarkt schützen und reparieren

Das Mikroprotein BRICK1 steuert als Bestandteil des Zellskeletts Prozesse wie Zellbewegung, -teilung und -formung. Das ist aber offenbar nicht alles. BRICK1 spielt vermutlich auch eine wichtige Rolle bei der Reparatur des Herzens nach einem Infarkt. Dieses neue Wissen kann man eines Tages vielleicht therapeutisch nutzen.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 10.04.2026  13:30 Uhr

Ein Myokardinfarkt entsteht, wenn ein Blutgefäß verschlossen ist und Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Dadurch sterben Herzmuskelzellen ab und es kommt zur Narbenbildung, was langfristig zu Herzschwäche führen kann.

In einer Pressemitteilung nimmt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) Bezug auf eine Publikation im Fachjournal »Science Translational Medicine«. Ein Team um Dr. Felix Polten von der MHH konnte zeigen, dass BRICK1 gezielt an den Reparaturprozessen beteiligt ist. Besonders interessant ist, dass das Mikroprotein erst in einer späteren Phase der Heilung freigesetzt wird.

BRICK1 wird von Makrophagen sezerniert, wenn diese nach ihrer 24-stündigen Aufräumarbeit in der Herzinfarktregion absterben und ihre Zellmembran durchlässig wird. BRICK1 fördert die Bildung neuer Blutgefäße im geschädigten Herzgewebe. Dieser Prozess ist entscheidend, um die Durchblutung zu verbessern und die Regeneration des Herzens zu unterstützen. Ohne ausreichende Gefäßneubildung bleibt das Gewebe schlecht versorgt, was die Heilung erschwert und das Risiko für dauerhafte Schäden erhöht.

»Wir haben in einem Herzinfarkt-Mausmodell untersucht, welche Auswirkungen es hat, wenn das BRICK1-Gen in Makrophagen fehlt oder wenn wir das Mikroprotein außerhalb der Zellen mit einem Antikörper gezielt abfangen«, so Polten. Das Ergebnis: Ohne BRICK1 war die Mikrogefäßbildung im Infarktgebiet gestört und das führte zu schwerer Herzinsuffizienz. Umgekehrt verbesserte eine Behandlung mit dem Mikroprotein die Herzfunktion bei Mäusen nach Infarkt durch Schutz von Herzmuskelzellen und vermehrte Gefäßbildung.

Die Ergebnisse stammen bislang aus Experimenten mit Mäusen, zeigen aber Potenzial für zukünftige Therapien beim Menschen. Eine Behandlung mit BRICK1 könnte helfen, den Schaden nach einem Herzinfarkt zu begrenzen und die Herzfunktion besser zu erhalten. Deshalb haben die Forschenden bereits ein Patent angemeldet. Zudem suchen sie einen Industriepartner für klinische Studien. Diese sollen zeigen, ob eine Behandlung mit dem Mikroprotein helfen könnte, den Infarktschaden nach Gefäßverschluss möglichst klein zu halten und die Wundheilung in den Tagen nach dem Infarkt zu verbessern.

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