Der BPhD begrüßt den neuen AMTS-Aktionsplan. Er betont aber auch, dass Studium und PJ strukturell an neue pharmazeutische Herausforderungen angepasst werden müssen. / © Adobe Stock/peopleimages.com
Der Aktionsplan des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hebt in der Präambel und bei mehreren Maßnahmen die Bedeutung interprofessioneller Zusammenarbeit hervor. Der BPhD unterstützt dies ausdrücklich. Eine enge Kooperation der Gesundheitsberufe bündele Kompetenzen und steigere die Versorgungsqualität. Dabei tragen Apotheker mit ihrer Expertise maßgeblich zu einer sicheren und sachgerechten Arzneimittelanwendung bei.
Der Entwurf bezieht Interprofessionalität jedoch überwiegend nur auf die AMTS, kritisierte der Verband. Um interprofessionelle Strukturen flächendeckend zu etablieren, reichen die Maßnahmen der bisherigen Aktionspläne aus Sicht des BPhD nicht aus. Er fordert daher einen eigenständigen Aktionsplan zur interprofessionellen Zusammenarbeit unter Leitung des BMG. Eine dafür einzusetzende Kommission sollte Vertreter aus Berufs-, Nachwuchs- und Studierendenverbänden aller relevanten Gesundheitsberufe einbeziehen.
Maßnahme 1 des Aktionsplans sieht die »Erarbeitung und Bekanntmachung von Handlungsempfehlungen zum optimalen digital gestützten Medikationsprozess (dgMP)« vor. Der BPhD begrüßt ein interprofessionell genutztes digitales Informationssystem, etwa über die elektronische Patientenakte oder den elektronischen Medikationsplan.
Ein schneller, gezielter Datenaustausch über gemeinsame digitale Dokumentationssysteme verbessere die Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern. Dafür benötigten Apotheker – unter Wahrung des Datenschutzes – Zugang zu allen verschreibungsrelevanten Informationen.
Maßnahme 3 soll mittels einer »Umfrage zum sektorenübergreifenden Medikationsmanagement« klären, wie AMTS-relevante Informationen bei stationärer Aufnahme vollständig erhoben werden können. Gleichzeitig sollen Informationsbrüche durch Medikationspläne und (pharmazeutische) Entlassberatung verhindert werden. Der BPhD begrüßt diese Entwicklung und fordert, alle Berufsgruppen in die Gestaltung neuer Abläufe einzubinden. Bedarf für interprofessionelles Medikationsmanagement besteht aus Sicht des BPhD auch im ambulanten Bereich.
In diesem Zusammenhang fordert der Verband, das flächendeckende Angebot der pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« auszubauen, um die AMTS im dgMP zu verbessern.
Die Maßnahmen 6 bis 9 sehen die Entwicklung einer AMTS-Stewardship vor. Der BPhD unterstützt die geplante interprofessionelle Besetzung solcher Teams. Er fordert, pharmazeutische Kompetenzen bei der Erstellung der AMTS-Stewardship-Handlungsempfehlung umfassend einzubeziehen.
Maßnahme 12 fokussiert auf die Förderung ärztlicher Verordnungskompetenz. Der BPhD betont jedoch, dass auch Apotheker als letzte Instanz vor der Abgabe und aufgrund des regelmäßigen Patientenkontakts eine Schlüsselrolle in der AMTS einnehmen. Daher müssen auch sie optimal auf AMTS-Aufgaben vorbereitet und fortgebildet werden.
Gleichzeitig macht der BPhD deutlich, dass die steigenden Anforderungen an Apotheker strukturelle Anpassungen erfordern. So betont er erneut, dass eine rasche Novellierung der Approbationsordnung sowie ein Ausbau der Fächer Klinische Pharmazie und Pharmakologie notwendig sind, um Studium und praktische Ausbildung an aktuelle und künftige Anforderungen anzupassen.
Im praxisbegleitenden Unterricht (PBU) fordert der Studierendenverband mehr Angebote nach dem Curriculum der Bundesapothekerkammer »Medikationsanalyse, Medikationsmanagement als Prozess«. Pharmazeuten im Praktikum sollten zudem stärker in Medikationsanalysen eingebunden werden.