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Zusatzbeiträge gestiegen
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»Bild« meldet »Hammer-Gehälter der Kassenchefs«

Während Auswege aus der Beitragsspirale gesucht werden, erhöhen einige Kassen ihre Vorstandsgehälter offenbar großzügig. Die »Bild«-Zeitung hat jetzt Gehalts- und Beitragssprünge einander gegenübergestellt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bekräftigt gleichzeitig einen »Spardruck«.
AutorKontaktCornelia Dölger
AutorKontaktdpa
Datum 10.03.2026  11:00 Uhr

Ende März soll die Finanzkommission Gesundheit ihre Sparvorschläge für 2027 präsentieren, mit denen die Kassenfinanzen stabilisiert und der stetige Aufwärtstrend bei den Beiträgen gestoppt werden soll. Dass unterdessen die Kassen ihre Vorstandsgehälter offenbar teils kräftig erhöht haben, greift die »Bild«-Zeitung auf und titelt: »Hammer-Gehälter der Kassenchefs«. »Beiträge rauf, aber Kassenchefs kriegen mehr Lohn«, heißt es.

2025 hätten viele Kassen den Vorständen höhere Gehälter und zusätzliche Boni gezahlt, so das Blatt unter Berufung auf »Berichte der Kassen«. Angeführt werde das Ranking von der neuen Vorstandsvorsitzenden der Bahn BKK, Christine Enenkel. Sie ist seit Januar 2026 im Amt und bildet mit Dominik Dany das neue Vorstandsduo. Enenkels Gehalt sei von 178.750 auf 195.000 Euro gestiegen, hinzu komme ein Bonus von 44.688 Euro.

Die Bahn BKK gehört zu den ältesten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland und betreut etwa 670.000 Versicherte. Laut »Bild« erhöhte sie ihren Zusatzbeitrag im November 2024 um 1,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent.

Ein Gehaltsplus gab es offenbar auch bei der BKK Firmus. Vorstandschef Dirk Harrer, seit Januar 2025 im Amt, bekommt laut dem Blatt 31.424 Euro mehr als sein Vorgänger. Peter Kaetsch, seit 2014 Vorstandsvorsitzender der BIG Direkt Gesund, strich 28.750 Euro mehr ein, sein Vize Markus Bäumer 24.050 Euro. Auch hier stiegen die Zusatzbeiträge deutlich von 1,65 auf 3,39 Prozent.

Warken: Zusatzbeitrag mindestens stabil halten

Und »Bild« listet weiter auf. So konnte sich Gordana Marsic vom Vorstand der AOK Baden-Württemberg über 206.000 statt 185.000 Euro Gehalt freuen, sie bekam zusätzlich einen Bonus von 6938 Euro. Anfang 2025 stieg der Zusatzbeitrag demnach von 1,6 auf 2,6 Prozent.

Michael Lempe, Handelskrankenkasse (hkk), bekommt laut »Bild« ein Gehaltsplus von 21.419 auf nunmehr 287.104 Euro. Die hkk erhöhte gleichzeitig ihren Zusatzbeitrag von 1,3 auf 2,5 Prozent. 

Die höchsten Boni gab es demnach bei der AOK Niedersachsen; sie lagen laut dem Blatt für die drei Vorstände zwischen 38.381 und 62.576 Euro. Plus auch beim Zusatzbeitrag: von 1,5 auf 2,7 Prozent. 

In fett gedruckten Buchstaben schließt »Bild« die Riege mit weiteren Boni-Aufzählungen: insgesamt 159.767 Euro Boni für die drei Vorstände der AOK Hessen, Zusatzbeitrag von 1,6 auf 2,49 Prozent gestiegen. Die AOK Plus habe Vorständen 52.920 und 51.912 Euro an Boni gezahlt, gleichzeitig den Zusatzbeitrag von 1,8 auf 3,1 Prozent erhöht.  Der Siemens-BKK-Chef habe einen Bonus von 47.880 Euro bekommen, die Zusatzbeiträge seien von 1,7 auf 2,9 Prozent gestiegen.

»Es reicht! Das Krankenkassen-System ist krank!«, kommentiert das Springer-Blatt. »Es braucht Reformen, um wieder gesund zu werden! Weg mit den vielen Kassen, Doppelstrukturen und Bonus-Vorständen. Kassen zusammenlegen.« Das Geld gehöre »nicht in Bonus-Töpfe – sondern den Versicherten«.

Dem Portal »Politico«, das auch zu Springer gehört, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) unterdessen, dass sie einen weiteren Anstieg der Zusatzbeiträge für gesetzlich Krankenversicherte verhindern wolle. »Mein Ziel ist, den Zusatzbeitrag mindestens stabil zu halten. Diesen Spardruck brauchen wir«, so die Ministerin.

 Nach Warkens Worten werden inzwischen durchschnittlich 2,9 Prozent fällig. 2022 seien es noch 1,3 Prozent gewesen. Erst zum Jahreswechsel hatten 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen die Zusatzbeiträge erhöht. Warken setzt auf die Vorschläge der Finanzkommission. »Die Kommission hat den Auftrag, ein Sparpotenzial in Höhe von rund 25 Milliarden Euro vorzuschlagen«, so die Ministerin. Auch die Ausgaben für Arzneimittel müsse man in den Griff bekommen.

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