Apotheker Hauke Stange (v.l.), Oberbürgermeisterin Christiana Bauer und Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, haben sich in Bielefeld über die Probleme in der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung und die geplante Apothekenreform ausgetauscht. / © AVWL
Vergangene Woche besuchte die Oberbürgermeisterin des Ortes die »Adler-Apotheke« von Hauke Stange, dem Vorsitzenden der Bezirksgruppe Bielefeld im AVWL. Gemeinsam mit dem AVWL-Vorstandsvorsitzenden Thomas Rochell erklärte der Apotheker der CDU-Politikerin, warum es zu immer mehr Apothekenschließungen kommt. Dies teilte die Kammer in einer Pressemitteilung mit.
Während des Termins beschwerten sich Stange und Rochell über die CDU. Diese habe in ihrer Oppositionszeit eine Anhebung der Vergütung gefordert und auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Zwar versprach Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im neuen PZ-Format »Alex’ Doppelte Dosis«, dass die Fixumerhöhung kommen werde, doch bislang wurde sie noch nicht umgesetzt. »Mit jedem Tag, den die Politik zögert, stirbt eine weitere Apotheke«, so Rochell.
Außerdem sprachen sie mit Christiana Bauer über die »Schwachstellen« der Apothekenreform. So ebne der Entwurf den Weg dafür, die Präsenzpflicht der Apothekerinnen und Apotheker abzuschaffen, und drohe, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verschlechtern. Zudem lasse die Politik die Gelegenheit aus, die Arzneimittelpreisbindung rechtlich abzusichern. Es dürfe nicht sein, dass in Notsituationen und Krisenfällen die Preise explodieren bzw. die Patientinnen und Patienten Preise vergleichen müssten.
Beim Treffen forderten sie außerdem, dass sich auch der ausländische Versandhandel an diese Regel hält. Die Konkurrenz durch den Versandhandel stelle ein Risiko für die flächendeckende Patientenversorgung dar, so die beiden Apotheker. Christiana Bauer ist mit dem Thema bereits vertraut. Im Rahmen ihrer Promotion befasste sich die Juristin mit der Frage, ob ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zulässig wäre. Beim Termin zeigte sie sich überzeugt, dass die Wiedereinführung des Verbots möglich sei, »solange der Versandhandel nicht leisten kann, was die Apotheken können«.
Sie fügt hinzu: »Die Apotheken vor Ort sind ein elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge in einer Kommune.« Deshalb wolle sie sich im Bund, im Land und im Deutschen Städtetag für diese Versorgung durch die Apotheken einsetzen. Vor Ort in Bielefeld wolle sie prüfen, wie sie die Apotheken insbesondere im Kampf gegen den Fachkräftemangel unterstützen könne, zum Beispiel bei Überlegungen der Apothekerschaft, einen Standort zur Ausbildung von pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten aufzubauen.