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Patienten mit Hautkrankheiten
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Beraten, begleiten, fördern

Dermatologische Erkrankungen, deren Prävalenz immerhin 20 Prozent beträgt, sollten »mit Köpfchen« behandelt werden. Das Know-how von Dermatologen und Apothekern kann die Versorgung dieser Patienten verbessern.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 22.01.2026  11:30 Uhr

»Treten Hauterkrankungen auf, gilt es, die Patienten frühzeitig gut zu versorgen und proaktiv Prävention zu betreiben, um Komorbiditäten und eine Kumulation der Krankheitslast zu vermeiden«, erklärte Professor Dr. Petra Staubach-Renz, Universitätsmedizin Mainz, anlässlich des Pharmacon in Schladming. Komorbiditäten können beispielsweise Asthma oder Depressionen, aber auch ein beeinträchtigter Nachtschlaf oder Knochengesundheit sein.

Zahlreiche Umwelteinflüsse wie UV-Licht, aber auch übermäßiges Waschen, können die Hautbarriere und/oder das Hautmikrobiom empfindlich stören. Eine gestörte Hautbarriere, Irritationen, Spannungsgefühl, Trockenheit und Rauheit sind alles Zeichen einer sensiblen Haut, die höherer Aufmerksamkeit bedarf. Mit dem gezielten Einsatz von Emollienzien kann man präventiv viel für die Haut tun. Der Einsatz von Filmbildnern, Feuchtigkeitsspendern und Urea oder Glycerin stärkt die Hautbarriere.

Sogenannte Emollienzien Plus, die zusätzlich Stoffe mit spezieller Wirkung enthalten, kommen gezielt beispielsweise bei Neurodermitis zum Einsatz. Hier sind Substanzen wie Licochalcon A, Saponine und Riboflavine enthalten, die Juckreiz reduzieren und die Abwehrfunktion der Haut stärken sollen.

Personalisierte Behandlung und Adhärenzförderung sind bei Patienten mit atopischer Dermatitis das A und O. Es helfe oft, den Patienten zu erklären, dass es sich um eine systemische Erkrankung handele und die sichtbaren Effloreszenzen lediglich die Spitze des Eisbergs darstellten, so die Referentin. Ziel einer Behandlung sei daher die Krankheitskontrolle, das heißt, das Vermeiden von Schüben, um die Entwicklung von Komorbiditäten zu unterbinden. Das Auftreten sichtbarer Hautveränderungen bedeute mitnichten ein Therapieversagen. Diese treten auch bei einer guten Krankheitskontrolle auf.

Patienten empfinden die Krankheitslast als besonders hoch, wenn sichtbare Hautbereiche von der Erkrankung gekennzeichnet sind, sagte Staubach-Renz. Daher ermöglichen neuere Leitlinien inzwischen Systemtherapien bereits auch dann, wenn nur bestimmte Hautareale betroffen sind.

Basispflege: Klotzen, nicht kleckern

Das pharmazeutische Personal könne diese Patienten kompetent zu optimaler Reinigung, Pflege und UV-Schutz beraten. Auch die Empfehlung zu möglichst reizarmen Kleidungsstoffen wie Baumwolle, Leinen oder Seide ist für Patienten ein wichtiger Hinweis.

Die Vorbereitung von Handzetteln ergänzt die Beratung vor Ort. Diese sollten Hinweise zur seifenfreien und pH-neutralen Reinigung sowie feuchtigkeitsspendenden und hautberuhigenden Wirkstoffen wie Glycerin und  Panthenol enthalten. Auch ein Hinweis auf die Verwendung eines ausreichenden Sonnenschutzes mit Lichtschutzfaktor 50 gehört zur Beratung dazu. Nicht fehlen darf zudem ein Hinweis auf zu vermeidende Faktoren wie Peelings, Duft- und Farbstoffe.

Um die Hautbarriere zu stärken, muss die Basistherapie täglich großzügig aufgetragen werden. Als notwendige Menge nannte Staubach-Renz ein Kilogramm Basispflege im Monat, frei nach dem Motto »Klotzen, nicht kleckern«. Hier werde – analog zur Anwendung von Sonnenschutz – in der Regel viel zu sparsam agiert.

Säuglinge mit allergischem Risiko sollen nach Ansicht von Experten vier bis sechs Monate gestillt werden, da dies einen protektiven Effekt haben kann. Das Einführen von Beikost ab dem vierten Monat trägt dazu bei, das Immunsystem zu trainieren. Tritt dennoch eine atopische Dermatitis auf, sollen die Säuglinge konsequent ab dem ersten Tag eine Basispflege erhalten. Hier können Apotheker mit ihrer Kompetenz im Beratungsgespräch Verunsicherungen und Ängste aus dem Weg räumen.

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