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Preprint-Studie
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Bei welchem Herz-Kreislauf-Risiko sind Statin-Generika kosteneffizient?

Mit dem Gesundes-Herz-Gesetz soll die Verordnungsfähigkeit von Statinen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich ausgeweitet werden. Eine bislang nur im Preprint erschienene Studie rechnet vor, wann sich das für das Gesundheitssystem insgesamt rechnet.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 30.08.2024  16:30 Uhr

Am 20. August wurde auf dem Preprint-Server »Medrxiv« eine Studie zur Kosteneffizienz der Statin-Verordnung zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse veröffentlicht. Ein Team um den Mediziner und Gesundheitsökonom Professor Dr. Afschin Gandjour von der Frankfurt School of Finance & Management hat berechnet, bei welchem kardiovaskulären Risiko sich der Einsatz auch finanziell rentiert, um die hohen Folgekosten von kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Co. einzusparen.

Demnach lohnt sich der Einsatz entsprechender Generika bereits, wenn ein 9,8-prozentiges Risiko besteht, in den kommenden zehn Jahren ein solches Ereignis zu erleiden. Das treffe auf etwa 22 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland zu. Erhielten alle diese gefährdeten Personen ein Statin zur Dauertherapie, könnten in den folgenden zehn Jahren zwischen 307.049 und 705.537 kardiovaskuläre Ereignisse verhindert werden – das würde nicht nur Leben und Lebensqualität retten, sondern auch im besten Fall schätzungsweise 18 Milliarden Euro über zehn Jahre einsparen, haben die Ökonomen berechnet.

Derzeit liegt jedoch die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegte Schwelle, ab der Statine zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnet werden dürfen, bei einem Risiko von 20 Prozent, also mehr als doppelt so hoch. Berechnet werden kann dieses kardiovaskuläre Risiko mithilfe verschiedener Scores, die Alter, Cholesterin-Wert, Blutdruck und weitere Faktoren berücksichtigt.

Wichtig sei bei der Berechnung von Gandjour et al. laut Bundesgesundheitsministerium zu beachten, dass bereits heute etwa ein Drittel der betroffenen Bevölkerung mit einem Risikoschwellenwert von 9,8 Prozent eine Statin-Therapie erhält. Somit verblieben durch eine Senkung des 10-Jahres-Risiko-Schwellenwerts von heute 20 Prozent auf 9,8 Prozent mögliche Kosteneinsparungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro für die GKV pro Jahr beziehungsweise 12 Milliarden Euro über zehn Jahre.

Mit seinem Vorstoß bezüglich eines breiteren Einsatzes von Statinen in der Primärprävention bei Menschen mit Risikofaktoren stößt der Gesundheitsminister bei Kardiologen auf offene Ohren. »Die Risiko-Nutzen-Abwägung spricht klar für eine frühere Statin-Therapie«, hatte bereits im Juni der Kardiologe Professor Dr. Oliver Weingärtner, Oberarzt am Universitätsklinikum Jena, gegenüber dem Science Media Center kommentiert.

Bei den Patienten, die durch den Gesetzentwurf zusätzlich für eine Statin-Therapie in Betracht kommen, komme am ehesten im Sinne der Primärprävention eine Therapie mit einem moderat bis hoch potenten Statin infrage. Letztlich sollten Patienten und Ärzte die Entscheidung für oder gegen eine Statin-Therapie immer gemeinsam treffen.

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