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Fachkräftemangel
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Bayern: Stipendium für Medizinstudium im EU-Ausland

Um dem Ärztemangel in ländlichen Regionen entgegenzuwirken, wirbt das Bayerische Gesundheitsministerium mit einem Stipendium für ein Medizinstudium im EU-Ausland. Die Stipendiaten verpflichten sich, später als Fachärztin oder Facharzt im ländlichen Raum in Bayern zu arbeiten.
AutorKontaktPZ
Datum 20.01.2026  09:14 Uhr

Mit Blick auf die Bewerbungsphasen für das Wintersemester 2026/2027 an den Universitäten in Salzburg (Österreich) und Split (Kroatien) hat die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) auf das Stipendium ihres Ministeriums hingewiesen. »Mit unserem Förderprogramm für Studierende im EU-Ausland haben wir einen zusätzlichen Weg ins Medizinstudium eröffnet«, sagte Gerlach laut einer Pressemitteilung des bayerischen Gesundheitsministeriums.

Unter bestimmten Voraussetzungen können bis zu 100 Medizinstudentinnen und -studenten einen Zuschuss zu den an ausländischen Hochschulen anfallenden Studiengebühren in Höhe von bis zu 10.000 Euro pro Semester erhalten. Laut dem Ministerium wurden bereits 23 Stipendien vergeben, 77 können noch vergeben werden.  »Wir wollen die eigens geschaffenen Fördermöglichkeiten bestmöglich ausschöpfen«, so die Ministerin. 

Neun der 77 Stipendien seien speziell für angehende Kinder- und Jugendpsychiater reserviert. Gefördert werde das Studium an einer vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geprüften und anerkannten Hochschule eines EU-Mitgliedstaats oder eines Staats, mit dem Dienstleistungs- oder Niederlassungsfreiheit im Hochschulbereich besteht. Die Hochschule müsse zudem mindestens ein bayerisches Krankenhaus als Kooperationspartner haben. Derzeit seien dies die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg mit dem Klinikum Nürnberg sowie die School of Medicine Split in Kooperation mit den Sana Kliniken Coburg.

Dem Ministerium zufolge müssen die Stipendiatinnen und Stipendiaten mindestens die Hälfte ihrer Studienzeit am Standort des bayerischen Kooperationskrankenhauses verbringen. Zudem müssen sie sich verpflichten, nach erfolgreichem Abschluss des Medizinstudiums eine Facharztweiterbildung in Bayern zu absolvieren und anschließend mindestens fünf Jahre im ländlichen Raum Bayerns tätig zu sein.

2.960 arbeitslose Ärztinnen und Ärzte in Bayern

Obwohl es einen Ärztemangel gibt, steigt die Zahl der arbeitslos gemeldeten Mediziner im Freistaat an. Dies geht aus der Jahresstatistik der Bayerischen Landesärztekammer hervor, die der PZ vorliegt. Demnach ist die Zahl der arbeitslosen Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2025 um mehr als 12 Prozent auf 2.960 gestiegen. Innerhalb eines Jahrzehnts betrug der Zuwachs mehr als 70 Prozent, wie es in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR) heißt.

Gegenüber dem BR listete Bayerns Ärztepräsident Gerald Quitterer zwei Gründe für den Anstieg auf: Angestellte Ärztinnen und Ärzte, die von einer Anstellung zur anderen wechseln, sind oftmals einige Monate ohne Beschäftigung und fallen deswegen in der Statistik in die Kategorie »arbeitslos«. Ein weiterer Grund sei, dass die Zahl der Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Pass gestiegen sei. Diese bräuchten Zeit für die Anerkennung ihres Studiums und würden währenddessen in der Statistik erfasst.

Ein weiterer Grund könnte die wachsende Diskrepanz zwischen den Wünschen arbeitssuchender Medizinerinnen und Mediziner und den angebotenen Stellen sein. Dies teilte die Agentur für Arbeit dem BR mit. Demnach sind vergleichsweise viele der arbeitslosen Ärztinnen und Ärzte in Großstädten gemeldet, während die Ärzte-Arbeitslosigkeit in ländlichen Regionen besonders gering ist.

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