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Kryokonservierung
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Aufgetautes Hirngewebe arbeitet wieder

Es klingt eher nach Science-Fiction: Forschende haben gezeigt, wie sich Hirngewebe von Mäusen durch extreme Tiefkühlung konservieren – und nach dem Auftauen sogar wieder zum Leben erwecken lässt.
AutorJennifer Evans
Datum 26.03.2026  07:00 Uhr

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der FAU Erlangen-Nürnberg und des Uniklinikums Erlangen ist es gelungen, dass tiefgekühltes Hirngewebe von Mäusen nach dem Auftauen wieder elektrische Lernreize verarbeiten kann.

Möglich war dies durch Vitrifikation – einem Verfahren, bei dem Wasser im Gewebe so schnell abkühlt, dass es nicht kristallisiert, sondern in einen glasartigen Zustand übergeht. So bilden sich keine Eiskristalle, die sonst die Nervenzellen schädigen würden. Zwar war es bisher bereits möglich, nach dem Auftauen die Zellgewebe-Funktion zu erhalten – doch die Hirnfunktionen wiederherzustellen, gelang bislang nicht.

Für ihr Experiment musste das Forschungsteam um den Neurologen Dr. Alexander German von der Universität Erlangen-Nürnberg an mehreren Stellschrauben drehen: weniger toxische Kryoprotektiva, ein optimierter Abkühlprozess, abgestimmte Temperaturprofile. Die Methode beschreiben die Studienautorinnen und -autoren im Fachjournal »Proceedings of the National Academy of Sciences«.

Aussicht auf neue Therapieoptionen

Wie später elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigten, hat das Einfrieren die Nanostruktur des Hirngewebes der Tiere nicht verändert. Und auch im Hippocampus – dem Gedächtnis- und Lernzentrum des Gehirns – tauschten die Neuronen nach dem Auftauen wieder elektrische Reize aus.

Damit wird nun plötzlich denkbar, Hirngewebe über Jahre hinweg in funktionsfähigem Zustand zu konservieren – und später mit weiterentwickelten Methoden erneut zu untersuchen. Das ist dem Autorenteam zufolge zum Beispiel für die Forschung im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen sowie Arzneimittelentwicklung relevant, etwa um neue Therapieansätze zu finden.

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