| Sven Siebenand |
| 06.03.2026 16:00 Uhr |
Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge verhüten seit 2023 weniger Frauen und Paare mit der Pille; insbesondere bei jüngeren Erwachsenen hat das Kondom die Pille als Verhütungsmittel Nummer eins abgelöst. / © Adobe Stock/Pormezz
Wie einer Pressemitteilung der Goethe-Universität zu entnehmen ist, soll in dem Projekt PREVENT (»Precision Reproductive and Contraceptive Target Discovery Network«) daran gearbeitet werden, besonders nebenwirkungsarme Verhütungsmittel zu entwickeln, die nicht auf Hormonwirkungen beruhen. Es wird vom Bundesforschungsministerium bis 2029 mit drei Millionen Euro gefördert.
Projektleiterin Dr. Claudia Tredup vom Institut für Pharmazeutische Chemie erläutert: »Hormonelle Verhütungsmethoden wie die Antibabypille verändern die Hormon-Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und greifen so in den endokrinen Regelkreis ein. Daher sind sie nicht für alle Frauen geeignet oder werden nicht gewünscht. Bei PREVENT suchen wir nach alternativen, nicht-hormonellen Ansätzen für Frau und Mann, damit Paaren weitere Angebote der Kontrazeption gemacht werden können.«
Der Forschungsansatz fokussiere sich dabei auf small molecules, die spezifisch solche Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder in Eizellen vorkommen. So könne zum Beispiel die Beweglichkeit der Spermien herabgesetzt werden, damit diese die Eizelle nicht mehr erreichen. Tredup betont, dass die Mittel zuverlässig und reversibel wirken müssen, aber auch möglichst nebenwirkungsarm sein müssen. »Wir kennen zwar schon eine Reihe an Genen, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Im PREVENT-Team wollen wir nun das Know-how schaffen, um die entsprechenden Proteine als Zielstrukturen für sichere, nicht-hormonelle Verhütungsstrategien zu nutzen.«
Die Forscherinnen und Forscher wollen nun eine Wirkstoffentwicklungsplattform entwickeln, um Technologien und Werkzeuge zur Validierung von nicht-hormonellen Verhütungskonzepten zu etablieren. Dafür sollen hochselektive und wirksame Wirkstoffe, sogenannte »chemical probes«, ermöglichen, neue Verhütungsstrategien gezielt zu testen und eine belastbare Grundlage für die präklinische und spätere klinische Entwicklung zu schaffen.