| Lukas Brockfeld |
| 28.01.2026 13:30 Uhr |
Für Ramin Heydarpour ist die Apotheke vor Ort in vielen Fällen als erster Ansprechpartner prädestiniert. / © PZ/Brockfeld
Angesichts knapper Ressourcen und einer alternden Bevölkerung wird im deutschen Gesundheitssystem viel über neue Ansätze zur Prävention und zur Patientensteuerung nachgedacht. Dabei rücken auch die Apotheken in den Fokus. Am Mittwoch erklärte Ramin Heydarpour, Manager für Regional Market Access beim Pharmakonzern Pfizer, auf dem BMC-Kongress in Berlin das Potenzial der assistierten Telemedizin in Apotheken.
Heydarpour erzählte, dass aktuell viele Menschen mit vergleichsweise harmlosen Erkrankungen die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen, weil sie keinen Arzt erreichen und nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Auch viele Menschen mit Migrationshintergrund würden in die Notaufnahme kommen, weil diese in vielen Ländern der erste Ansprechpartner sei.
In vielen Fällen sei aber die Apotheke vor Ort als erster Ansprechpartner prädestiniert. »Der Apotheker kann in die elektronische Patientenakte gucken und im Gespräch die Symptome erkennen. Eventuell kann er auch mit Schnelltests Präventionsmaßnahmen durchführen. Dann entscheidet er, ob ein Arzt gebraucht wird, ein Notfall vorliegt oder ob man den Patienten mit einem Medikament nach Hause schicken kann«, erklärte der Pfizer-Manager.
Falls der Bedarf besteht, könnten der Apotheker gemeinsam mit dem Patienten in einen Nebenraum gehen, und telemedizinisch einen Arzt dazuschalten. Der Arzt kann mit dem Patienten sprechen und gegebenenfalls ein E-Rezept ausstellen, das der Patient dann in der Apotheke einlöst. »Der Patient bekommt seine Medikamente, wird direkt versorgt und kann nach Hause gehen, alles an einem Ort«, erklärte Ramin Heydarpour.
Die Umsetzung dieses Konzeptes sei dank des im März 2024 in Kraft getretenen Digitalgesetzes jetzt schon möglich. »Aktuell verhandelt der Deutsche Apothekerverband aber noch mit dem GKV-Spitzenverband über die Details. Bisher konnten sie sich nicht einigen, deswegen wurde es an die Schiedsstelle übergeben. Wir erwarten zeitnah ein Ergebnis«, erläuterte der Pfizer-Manager.
Die assistierte Telemedizin habe viele Vorteile. So könnten die Versicherten niedrigschwellig, schnell und gut versorgt werden und hätten außerdem einen persönlichen Ansprechpartner. »Der Apotheker gewinnt neue Kunden, kann sich vom Versandhandel abgrenzen und sich als Heilberufler weiterentwickeln«, so Ramin Heydarpour.