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ARZNEISTOFFE

Eplerenon|Inspra®|36|2004

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STOFFGRUPPE
36 Diuretika
WIRKSTOFF
Eplerenon
FERTIGARZNEIMITTEL
Inspra®
HERSTELLER

Pfizer

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2004
DARREICHUNGSFORM

25 mg Filmtabletten

50 mg Filmtabletten

Indikationen

Eplerenon ist zugelassen als Kombinationspartner zu einer Standardtherapie, einschließlich Beta-Blockern, zur Verringerung des Risikos der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität bei stabilen Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion und klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz nach kürzlich aufgetretenem Herzinfarkt sowie bei Patienten mit (chronischer) Herzinsuffizienz NYHA II und linksventrikulärer systolischer Dysfunktion.

Wirkmechanismus

Eplerenon hemmt kompetitiv die Bindung von Aldosteron an dessen zytoplasmatischen Rezeptor, woraus eine verminderte Kaliumausscheidung und eine verringerte Natriumrückresorption resultieren. Durch die damit verbundene vermehrte Ausscheidung von Wasser wird eine Senkung der Vorlast erreicht. Als weiterer Wirkmechanismus werden eine verminderte Kollagenbildung und ein verminderter Umbau der Muskulatur bei Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion nach akutem Herzinfarkt postuliert. Nicht selektive Aldosteronantagonisten binden zu einem geringen Anteil auch an Glucocorticoid- und Progesteronrezeptoren, was zu unerwünschten Effekten wie Potenzstörungen bei Männern oder Amenorrhoe bei Frauen führen kann. Eplerenon bindet relativ selektiv an den Mineralocorticoidrezeptor, wodurch sich die genannten Nebenwirkungen vermindern.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Behandlung sollte mit 25 mg Eplerenon einmal täglich begonnen und, unter Berücksichtigung des Serum-Kalium-Spiegels, auf eine Zieldosis von 50 mg einmal täglich gesteigert werden. Mit der Behandlung sollte innerhalb von 3 bis 14 Tagen nach einem akuten Myokardinfarkt begonnen werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Wegen des erhöhten Hyperkaliämie-Risikos darf Eplerenon nicht zusammen mit kaliumsparenden Diuretika oder Kaliumpräparaten gegeben werden. Dasselbe gilt für ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten.

 

Bei der gemeinsamen Gabe von Eplerenon mit Lithium steigt das Risiko einer Lithium-Toxizität. Sie sollte daher vermieden werden. Bei der Gabe von Ciclosporin und Tacrolimus steigt das Risiko von Nierenfunktionsstörungen und damit von Hyperkaliämien. Die gemeinsame Gabe mit Eplerenon sollte daher vermieden werden.

 

Insbesondere bei älteren Patienten steigt bei der Anwendung von NSAR das Risiko für eine Verminderung der glomerulären Filtrationsrate und damit von akutem Nierenversagen. Vor Beginn einer Eplerenon-Therapie muss ein ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt sichergestellt sein. Während der Therapie ist eine Überwachung der Nierenfunktion erforderlich.

 

Auch mit Trimethoprim kann das Hyperkaliämie-Risiko steigen. Besonders bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und bei älteren Patienten müssen Serumkalium und Nierenfunktion überwacht werden. Bei gemeinsamer Gabe von Alphablockern wie Prazosin und Eplerenon kann sich die antihypertensive Wirkung erhöhen und/oder eine orthostatische Hypotonie verstärkt werden. Dasselbe gilt für die gleichzeitige Anwendung von tricyclischen Antidepressiva und Neuroleptika. Glucocorticoide und Tetracosactid können hingegen über eine Natrium- und Flüssigkeitsretention die antihypertensive Wirkung verringern.

 

In-vitro-Studien zeigen, dass Eplerenon CYP1A2, CYP2C19, CYP2C9, CYP2D6 und CYP3A4 nicht hemmt. Es wird jedoch seinerseits durch CYP3A4 metabolisiert. Starke CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol, Ritonavir oder Clarithromycin können daher die Wirkspiegel von Eplerenon deutlich erhöhen. Die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4-Hemmer ist daher kontraindiziert. Bei gleichzeitiger Anwendung von schwachen bis mäßigen CYP3A4-Hemmern wie Erythromycin, Amiodaron oder Verapamil sollte die Eplerenon-Dosis 25 mg nicht überschreiten. Nicht empfohlen wird die gleichzeitige Gabe von CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin oder Johanniskraut, da diese die Eplerenon-Wirkspiegel reduzieren können.

Nebenwirkungen

Die Liste möglicher Nebenwirkungen ist vielfältig. So kam es Studien zu Eplerenon häufig unter anderem zu gastrointestinalen Beschwerden wie Diarrhö, Übelkeit, aber auch zu Obstipation. Ebenfalls häufig traten Schwindel, Synkopen oder Kopfschmerzen auf. Auch Hautausschlag und Pruritus sowie Muskelspasmen und Rückenschmerzen wurden häufig berichtet. Über weitere mögliche Nebenwirkungen informiert die Fachinformation.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit einem Serumkaliumwert über 5,0 mmol/l darf keine Behandlung mit Eplerenon begonnen werden. Dasselbe gilt für Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (GFR < ml/min/1,73 m2) oder schwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh-Klasse C).

Eplerenon ist darüber hinaus kontraindiziert bei Patienten, die kaliumsparende Diuretika, Kaliumergänzungsmittel oder starke CYP3A4-Hemmer wie Itraconazol, Ritonavir oder Clarithromycin einnehmen. Kontraindiziert ist auch die Kombination eines ACE-Hemmers oder eines Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten mit Eplerenon.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Eplerenon beruht auf der EPHESUS-Studie (Eplerenone Post-AMI Heart Failure Efficacy and Survival Study), einer dreijährigen Postinfarktstudie zur Wirksamkeit und Überlebensdauer bei Herzinsuffizienz, in der die Gabe von Eplerenon zusätzlich zur ACE-Hemmer- und Betablockertherapie die Lebensqualität und -erwartung von Infarktpatienten mit Herzinsuffizienz erheblich verbesserte. An der placebokontrollierten Doppelblindstudie nahmen 6632 Patienten mit akutem Myokardinfarkt, linksventrikulärer Dysfunktion und klinischen Anzeichen von Herzinsuffizienz teil. Drei bis 14 Tage (durchschnittlich sieben Tage) nach einem akuten Myokardinfarkt erhielten sie zusätzlich zur Standardtherapie entweder Eplerenon oder Placebo. Die Anfangsdosierung betrug 25 mg mit Titrierung auf die Zieldosis von 50 mg einmal täglich nach vier Wochen, falls das Serumkalium < 5,0 mmol/l betrug. Die Patienten erhielten eine Standardtherapie aus Acetylsalicylsäure (92 Prozent), ACE-Hemmern (90 Prozent), Betablockern (83 Prozent), Nitraten (72Prozent), Schleifendiuretika (66 Prozent) oder HMG-CoA-Reduktasehemmern (60 Prozent). Primäre Endpunkte waren die Überlebenszeit und die Zeit bis zum Tod oder erster Hospitalisierung auf Grund kardiovaskulärer Ereignisse. Unter Eplerenon verstarben 14,4 Prozent der Patienten und unter Placebo 16,7 Prozent (alle Ursachen), während 26,7 Prozent der Patienten mit Eplerenon und 30,0 Prozent unter Placebo den kombinierten Studienendpunkt aus kardiovaskulärer Mortalität oder kardiovaskulärer Hospitalisierung erfüllten. Somit verringerte Eplerenon im Vergleich zu Placebo das Risiko der Gesamtsterblichkeit um 15 Prozent, hauptsächlich durch die Reduktion der kardiovaskulären Mortalität. Das Risiko eines kardiovaskulären Todes beziehungsweise einer kardiovaskulären Hospitalisierung sank um 13 Prozent. Die klinische Wirksamkeit zeigte sich vor allem bei Patienten unter 75 Jahren. Der Nutzen bei älteren Patienten ist unklar. Eine Hyperkaliämie trat in der Eplerenon-Gruppe bei 3,4 Prozent verglichen mit 2,0 Prozent unter Placebo auf. Eine Hypokaliämie konnte in der Verumgruppe bei 0,5, in der Placebogruppe bei 1,5 Prozent beobachtet werden.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Inspra sind keine besonderen Bedingungen zu berücksichtigen.

Inspra ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Eplerenon

Eplerenon

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

eplerenon.wrl

Weitere Hinweise

Eplerenon sollte während der Schwangerschaft nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Das Nebenwirkungspotenzial auf den gestillten Säugling ist nicht bekannt. Daher sollte unter Abwägung des möglichen Nutzens und der potenziellen Risiken entschieden werden, ob das Stillen oder die Therapie mit Eplerenon ausgesetzt werden soll.

Letzte Aktualisierung: 13.05.2016