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VdK zum ApoRG
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Apotheken zu Wegweisern im Gesundheitssystem ausbauen

Aus Sicht des Sozialverbands VdK kann die Apothekenreform nur ein erster Aufschlag sein. Um Patienten zuverlässig versorgen und besser als bisher zu betreuen, müssten Apotheken deutlich mehr Kompetenzen bekommen, fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele.
AutorKontaktPZ
Datum 21.08.2024  11:15 Uhr

Das Bundeskabinett befasst sich heute doch nicht wie geplant mit dem Entwurf des Apotheken-Reformgesetzes (ApoRG). VdK-Präsidentin Verena Bentele sieht angesichts der schrumpfenden Zahl öffentlicher Apotheken dringend Handlungsbedarf, teilte sie heute mit. Für viele VdK-Mitglieder seien Apotheken nicht nur für den Arzneimittelbezug essenziell, sondern auch als Ansprechpartner bei Fragen zu Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten, als Anlaufstelle bei ersten Symptomen einer Krankheit oder als Hilfe beim Zurechtfinden im Gesundheitssystem. Die Apotheken-Infrastruktur müsse daher unbedingt aufrechterhalten bleiben – nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land, forderte Bentele.

Kritik an Apotheken ohne Apotheker

Die Apothekenreform der Bundesregierung kann aus Sicht des VdK »nur ein erster Aufschlag sein«. Der Sozialverband kritisiert insbesondere die Pläne, wonach Apothekerinnen und Apotheker nur noch acht Stunden pro Woche in einer Apotheke anwesend sein müssen. Dass Öffnungszeiten den Plänen zufolge deutlich eingeschränkt werden dürfen und die Pflicht entfallen soll, Filialleiter zu bestimmen, gefährde die Sicherheit und Beratungsmöglichkeit von Patientinnen und Patienten, warnt der VdK.

Als gut bewertet der Verband hingegen die Idee, dass Patientinnen und Patienten in Apotheken künftig auf bestimmte Infektionskrankheiten getestet und, neben der Covid- und Grippeschutzimpfung, mit Totimpfstoffen geimpft werden können. Dass Apothekerinnen und Apotheker mehr und einfacher Zweigapotheken eröffnen können sollen, bewertet der VdK ebenfalls positiv. Auch die Ausweitung von Onlineberatungen hält der Verband für sinnvoll, dies dürfe aber nicht den persönlichen Austausch gänzlich ersetzen.

Aus Sicht von VdK-Präsidentin Verena Bentele gehen die Reformpläne nicht weit genug. Apotheken müssten noch deutlich mehr Kompetenzen bekommen, um Patientinnen und Patienten zuverlässig versorgen und besser als bisher betreuen zu können. Das Netz der öffentlichen Apotheken solle zum Beispiel genutzt werden, um sie zu Wegweisern im Gesundheitssystem auszubauen. Auf diese Weise könne »der gute Gedanke der Gesundheitskioske, der im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) gestrichen worden ist, wieder aufgenommen werden«, sagte Bentele.

Fachwissen der Apotheker für eine bessere Versorgung nutzen

Die VdK-Präsidentin fordert, das Fachwissen von Apothekerinnen und Apothekern für eine gute Versorgung vor Ort zu nutzen. Dieses reiche deutlich über die reine Abgabe von Medikamenten hinaus. »Welcher Wirkstoff kann bei Lieferengpässen problemlos als Alternative genommen werden? Was könnten Gründe dafür sein, dass das Medikament nicht anschlägt? Wie kann eine Über- oder Unterdosierung vermieden werden? All diese Fragen könnten Apothekerinnen und Apotheker beantworten, würden sie enger in die Arzneimitteltherapie eingebunden«, betonte Bentele.

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