| Paulina Kamm |
| 28.01.2026 07:00 Uhr |
Die Grünen-Sprecherin für Pflegepolitik, Simone Fischer, setzt auf multiprofessionelle Versorgung. / © Stefan Kaminski
PZ: Die Grünen sprechen von multiprofessionellen Versorgungsteams. Was bedeutet das genau und wie unterscheidet sich dies von der jetzigen interdisziplinären Versorgung? Welche Rolle spielen Apotheken darin aus pflegepolitischer Sicht?
Fischer: Wir Grünen setzen uns für eine moderne, patientinnen- und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung ein, in der multiprofessionelle Teams eine zentrale Rolle spielen. Solche Teams bringen Ärztinnen, Ärzte, Pflegefachpersonen und weitere Gesundheitsberufe zusammen, um Menschen kontinuierlich, umfassend und auf Augenhöhe zu versorgen. Alle Teammitglieder übernehmen Aufgaben entsprechend ihrer Qualifikation und arbeiten gleichberechtigt zusammen.
PZ: Wie kann die Pflegereform genutzt werden, um Prävention und Medikationssicherheit durch die Apotheken zu stärken?
Fischer: Apotheken sind unverzichtbare Partnerinnen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Medikationssicherheit, beraten Patientinnen und Patienten und stärken Prävention. Gerade in der ambulanten pflegerischen Versorgung können Apotheken gezielt unterstützen, etwa durch die Prüfung von Medikationsplänen auf Wechselwirkungen oder durch verständliche Einnahmehinweise.
PZ: Wo sehen Sie bislang ungenutzte Potenziale von Apotheken zur Entlastung der ambulanten Pflege?
Fischer: Strukturierte Beratungsangebote für Pflegedienste – beispielsweise zu neuen Applikationsformen oder zur Handhabung von Notfallmedikamenten – bieten großes Potenzial, die Versorgung sicherer zu machen und Pflegekräfte zu entlasten.
PZ: Wie lassen sich neue Aufgaben fair vergüten, ohne die Professionen gegeneinander auszuspielen?
Fischer: Unser Ziel ist es, das Gesundheitssystem zukunftsfest aufzustellen: durch präventive, teamorientierte Versorgung, durch die Stärkung der Gesundheitsberufe, durch fair vergütete interprofessionelle Zusammenarbeit und durch die Einbindung von Apotheken als starke Partnerinnen. Davon sollen alle spürbar profitieren – mit mehr Sicherheit, höherer Qualität und mehr Zeit für das, was wirklich zählt: eine gute, menschliche Versorgung
PZ: Kritiker befürchten eine schleichende Aufgabenverschiebung. Welches Potenzial sehen Sie hier?
Fischer: Es gehört dazu anderen Gesundheitsberufen – etwa der Pflege –, die Möglichkeit zu geben, heilkundliche Tätigkeiten, die bislang ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren, eigenständig auszuüben. Mit dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege wurden hierfür wichtige erste Schritte unternommen, an die konsequent angeknüpft werden muss. Denn klar ist: Der Fachkräftemangel ist längst im Gesundheitswesen angekommen. Ein rein arztzentriertes Versorgungssystem wird diesen Herausforderungen künftig nicht mehr gerecht.