Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Zahlen für 2025
-
Apotheken profitieren nicht von Umsatzplus

Laut neuen Zahlen der Treuhand Hannover konnten die deutschen Apotheken ihre durchschnittlichen Umsätze im vergangenen Jahr vergrößern. Doch aufgrund steigender Kosten profitieren nur wenige Apotheken von dem Wachstum. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 04.02.2026  15:45 Uhr

Die deutschen Apotheken befinden sich seit Jahren in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Das zeigt sich unter anderem im starken Rückgang der Apothekenzahlen. Zum Jahreswechsel fiel die Zahl der Offizinen in der Bundesrepublik auf den niedrigsten Stand seit 1977. Die Apothekerschaft fordert deshalb immer wieder eine Honorarerhöhung von der Politik. Das Fixum wurde zuletzt im Jahr 2013 angepasst. 

Sebastian Schwintek, Generalbevollmächtigter der Steuerberatungsgesellschaft Treuhand Hannover und Experte für den deutschen Apothekenmarkt, hat am Dienstag auf der Plattform Likedin eine konkrete Umsatzprojektion veröffentlicht. Diese liest sich zunächst positiv: Die durchschnittliche deutsche Apotheke hat demnach im Jahr 2025 einen Umsatz von über 4 Millionen Euro erzielt, das entspricht einem Mehrumsatz von rund 300.000 Euro. Laut dem statistischen Jahrbuch der ABDA lag der durchschnittliche Umsatz 2024 noch bei 3,7 Millionen Euro

Doch nur wenige Apotheken dürften vom Umsatzwachstum tatsächlich profitieren. »Von rund 300.000 Euro Mehrumsatz könnten am Ende nur magere 2000 Euro Ergebnis übrig bleiben, ein reales Minus, da deutlich unter Inflationsrate und Tarifabschlüssen«, schreibt Schwintek auf Linekdin. Laut dem Experten hat sich der Wareneinsatz deutlich verteuert, die Betriebskosten seien im vergangenen Jahr um 4 Prozent gestiegen, die Roherträge allerdings nur um 3,8 Prozent. 

Schwintek weist darauf hin, dass die Umsatzzahlen nur deshalb gewachsen seien, weil sich die Apothekenbranche »kannibalisiert«. Im Jahr 2025 sank die Gesamtzahl der Apotheken in Deutschland um 440. Für die verbliebenen Offizinen bedeute das ein Rohertragsplus von 9.000 bis 10.000 Euro. 

Honoranerhöhung dringend nötig 

Außerdem weist Schwintek auf die prekäre Lage der Apotheken im umsatzschwächsten Drittel hin. Diese seien im vergangenen Jahr lediglich auf ein durchschnittliches Betriebsergebnis von 24.000 Euro gekommen. 

Aktuell arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an einer großen Apothekenreform. Sebastian Schwintek sieht viele gute Ansätze in den Plänen. Sie müssten jedoch mit einer schnellen und substanziellen Honoraranpassung einhergehen. 

Ursprünglich hatte die Bundesregierung im Koalitionsvertrag eine Erhöhung des Apothekenfixums auf 9,50 Euro versprochen. Aufgrund der prekären finanziellen Situation der Gesetzlichen Krankenversicherung hat es die Honorarerhöhung aber vorerst nicht in die Reformpläne geschafft. In der vergangenen Woche versprach Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beim  PZ-Livetalk »Alex’ Doppelte Dosis«, dass die 9,50 Euro doch noch kommen sollen. 

Sebastian Schwintek hofft, dass die Gesundheitsministerin ihr Versprechen ernst nimmt. »Sie könnte damit die Zahl der ertragsschwachen Betriebe mit einem Ergebnis unter 100 .000 Euro halbieren. Jetzt müssen der Ankündigung auch Taten folgen«, so der Branchenexperte auf Linkedin. 

Mehr von Avoxa