| Alexandra Amanatidou |
| 13.02.2026 18:00 Uhr |
Ein angeblicher Patient rief in der Engel-Apotheke in Bonn an und wollte das Medikament Mounjaro vorbestellen. Dabei handelte es sich jedoch um Betrug. / © Engel-Apotheke
Telefonische Vorbestellungen von teuren Medikamenten, Abholungen kurz vor Dienstschluss und in anderen Regionen ausgestellte Papierrezepte sind drei Zeichen dafür, dass Apothekenteams aufmerksam sein müssen. Denn es könnte sich um Betrug handeln.
Genau das ist der Engel-Apotheke in Bonn passiert. Ein angeblicher Patient rief mit einem Rezept aus Hessen an und wollte das Medikament Mounjaro vorbestellen. Das verschreibungspflichtige Medikament wird zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt – die sogenannte Abnehmspritze. Eine große Packung kostet knapp unter 1.500 Euro.
»Die Apotheke bestellt keine teuren Medikamente wie Mounjaro vor«, erzählt Apothekeninhaberin Ute Freieck gegenüber der PZ am Telefon. Eine Ausnahme macht sie bei Stammkundinnen und -kunden. Die Apothekerin ist derzeit besonders alarmiert, da es in letzter Zeit Warnungen des Amtsapothekers vor Betrügern gab – und schöpfte bei dieser dubiosen Vorbestellung eines Unbekannten Verdacht.
Der Betrüger versuchte während des Notdiensts sein Glück. Er wurde jedoch aufgefordert, am nächsten Tag noch einmal vorbeizukommen. In der Zwischenzeit hatte eine Apothekenmitarbeiterin die Polizei vorgewarnt, dass ein Betrüger am selben Tag ein Medikament abholen wolle. Als die Person gegen 14 Uhr die Apotheke betrat, sagte Ute Freieck: »Ich muss nach dem Medikament im Kühlschrank suchen«, um die Person aufzuhalten. Ihre Tochter Sophia Freieck rief gleichzeitig die Polizei an. In dem Moment, als der Mann die Apotheke ohne das Medikament verlassen wollte, tauchte die Polizei auf und nahm ihn fest.
Nur 40 Kilometer von der Engel-Apotheke entfernt gab es diesen Monat einen anderen Betrugsversuch mit einem Mounjaro-Rezept. In diesem Fall konnte der Täter jedoch entkommen. In der Apotheke am Münstertor in Zülpich (NRW) wollte ein Mann eine große Packung des Medikaments vorbestellen. Auch in diesem Fall stammte das Rezept aus einer anderen Region.
»Das Rezept war überhaupt nicht auffällig. Es sah eigentlich sehr, sehr gut aus«, erzählt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, am Telefon. Aufgrund der zunehmenden Betrugsfälle mit Mounjaro entschied sich das Team jedoch, den Mann nach seiner Krankenkassenkarte zu fragen. »Er sagte, er wolle sie aus seinem Auto holen. Er kam aber nie wieder«, erzählt die Mitarbeiterin. Die Polizei sucht weiterhin nach Hinweisen, bislang jedoch ohne Erfolg. Wie eine Polizeisprecherin gegenüber der PZ mitteilte, laufen die Ermittlungen weiter.
Beide Apotheken haben ihrem Personal Anweisungen gegeben, worauf es achten muss. »Man kann die Fälschungen erkennen, wenn man genau hinschaut«, sagt Ute Freieck. Ein Beispiel sei die Farbe. Normale Rezepte seien rosa, Fälschungen würden ein bisschen ins Orange gehen. Zudem sollen die pharmazeutischen Angestellten den Namen auf der Versichertenkarte mit dem auf dem Rezept vergleichen. Die Mitarbeitenden der Apotheke am Münstertor rufen auch die angegebenen Arztpraxen an, um sicherzustellen, ob ein Rezept echt ist, und manchmal auch, um zu überprüfen, ob es die Praxis überhaupt gibt.
Abnehmspritzen locken immer mehr Kriminelle an. Dies ist auch den Apothekenkammern bekannt. So warnte beispielsweise die hessische Apothekerkammer ihre Mitglieder vor Betrugsversuchen. Auch die Krankenkasse AOK Nordost warnte kurz vor Weihnachten vor Rezeptfälschungen.
»Es sind immer Hochpreiser, die auf dem Schwarzmarkt gut gehandelt werden. Früher waren es die Wachstumshormone oder Ozothin, heute ist es Mounjaro«, sagt Ute Freieck. Die Apothekeninhaberin war selbst einmal Betrugsopfer. Damals ging es um eine Summe von 900 Euro. »Das ist einfach ärgerlich, weil wir auf den Kosten sitzen bleiben.«
Sie berichtet von zwei weiteren Vorfällen in ihrer Apotheke. So hat sie beispielsweise einen Betrugsversuch aufgedeckt, indem sie die Krankenkasse anrief und die angebliche Versicherungsnummer abgleichen ließ. Im Januar hatte jemand versucht, eine große Packung Mounjaro in ihrer Apotheke vorzubestellen. »Sie können gerne reinkommen, das Rezept abgeben und dann schicken wir es Ihnen per Bote«, sagte die Apothekerin damals am Telefon. Der angebliche Patient habe sich aber nie wieder gemeldet. »Damit war auch klar, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte.« Meistens reagierten Patientinnen und Patienten nämlich mit Verständnis, wenn man ihnen erkläre, dass die Apotheke die Medikamente nicht vorbestellen könne. Betrugsfälle seien sehr ärgerlich. »Das ist Geld, das wir nie wiedersehen«, sagt sie. »Das tut schon weh.«