Matthias Schellenberg ist Apobank-Vorsitzender und warnt vor einer zunehmenden Kommerzialisierung des Arzneimittelmarktes. / © Merck Finck AG/ Jörg Koch
Für die Deutsche Apotheker und Ärztebank (Apobank) ist die derzeitige politische Phase des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) »weit mehr als ein regulärer Gesetzgebungsprozess«. Deutschland befinde sich an einem »Wendepunkt der Arzneimittelversorgung«.
Ende Januar hatte sich der Bundesrat in einer Stellungnahme zu dem Gesetz geäußert. Die Länder sprachen sich gegen die Möglichkeit einer kurzzeitigen PTA-Vertretung als Apothekenleitung und die erleichterte Gründung von Zweigapotheken aus.
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beim PZ-Talk »Alex’ Doppelte Dosis« angekündigte Gegenäußerung der Bundesregierung zur Stellungnahme des Bundesrates kam gestern: Darin hieß es, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) an den Eckpunkten der Apothekenreform festhält, insbesondere an der PTA-Vertretung und den Zweigapotheken. Warken versicherte beim PZ-Talk jedoch, dass die Fixumserhöhung auf 9,50 Euro zeitnah erfolgen soll. Ein konkretes Datum gibt es hierfür nicht.
Die erste Lesung des Gesetzes findet am 26. Februar statt, am 4. März können Expertinnen und Experten sowie Sachverständige auf Fragen der Ausschussmitglieder ihre Positionen zur Apothekenreform vorbringen.
Matthias Schellenberg, Vorstandsvorsitzender der Apobank, sieht in der aktuellen Reformphase einen »entscheidenden Moment«: Die Politik sollte die Anliegen der Apotheken ernst nehmen, denn nur sie würden eine verlässliche Arzneimittelberatung und -versorgung sichern. »Es wäre fahrlässig, dieses wohnortnahe und heilberuflich geführte Versorgungsnetz weiter auszuhöhlen«, sagte er.
Genau jetzt entscheide sich, ob Apotheken künftig stärker als Teil der gesundheitlichen Infrastruktur verstanden werden – »oder ob bloße Marktmechanismen die Versorgung mit Arzneimitteln zunehmend dominieren«. Im Kern gehe es um den »zunehmenden Wettbewerbsdruck durch ausländische Versandhändler und nun auch durch große Handelsketten im Inland.«
Schellenberg warnt vor einer zunehmenden Kommerzialisierung des Arzneimittelmarktes und betont die besondere Bedeutung der Apotheken vor Ort: »Medikamente sind keine gewöhnlichen Handelsgüter. Hinter jeder Arzneimittelabgabe stehen Menschen mit individuellen Bedürfnissen, gesundheitlichen Risiken und oft auch akuten Sorgen«. Darum müsse sich eine Gesellschaft fragen, welche Form der Arzneimittelversorgung sie künftig wolle: Anonyme Selbstbedienung aus einem Onlineshop oder die qualifizierte Begleitung durch Apothekerinnen und Apotheker, die Risiken erkennen, Fehler vermeiden und Therapien sicherstellen.