| Cornelia Dölger |
| 29.01.2026 12:45 Uhr |
9,50 statt 8,35 Euro soll das Apothekenfixum laut Bundesgesundheitsministerin Warken künftig betragen. Die Kassen finden eine Erhöhung »widersprüchlich und verfehlt«. / © PZ/Dölger
Dass sie sich an den Koalitionsvertrag halten und die darin angekündigte Honoraranpassung auf 9,50 Euro umsetzen wolle, versicherte die Ministerin bei der Premiere des neuen PZ-Livetalks »Alex’ Doppelte Dosis« am Dienstagabend in Berlin. Sie rechne angesichts der Sparvorgaben im Gesundheitswesen mit Kritik, wolle aber am erhöhten Fixum festhalten.
Beim AOK-Bundesverband gibt es kein Verständnis für den Plan der Ministerin. Der Verband spricht sich gegen eine Erhöhung aus. »Die Wirtschaftslage in Deutschland ist schlecht, das GKV-Beitragssatzniveau auf Rekordniveau, die Ausgabendynamik ungebrochen«, so ein Sprecher zur PZ.
Eine Erhöhung wäre ihm zufolge »widersprüchlich und verfehlt«, weil es nötig sei, dass sich alle Akteure an den Sparanstrengungen beteiligten, so habe es die Ministerin vorgegeben. Warken selbst gehe inzwischen von einem zweistelligen Milliardendefizit in der GKV aus, das für 2027 zu stopfen sei.
Auch die Apothekerschaft solle bei den Sparbemühungen keine Ausnahme bilden, so der Sprecher. Im Blick haben die Kassen den Topf für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL). Dessen Mittel lägen »ungenutzt brach« und sollten »umgehend an die Beitragszahlenden zurückgegeben werden«. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) plant aber anderes: Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVW) sieht vor, dass die 20 Cent pro Rx-Packung, die derzeit in den pDL-Topf fließen, künftig für Nacht- und Notdienste zur Verfügung stehen, pDL sollen perspektivisch mit den Kassen abrechenbar sein.
Die DAK-Gesundheit hat ein erhöhtes Fixum bereits eingepreist und legt einer Berechnung ein Ausgabenpaket zugrunde, das von 9,50 Euro ausgeht und mit daraus resultierenden Mehrausgaben von einer Milliarde Euro rechnet. Mit einem dreistufigen Reformplan will die Krankenkasse die Beitragsspirale stoppen und die Kassenfinanzen stabilisieren. Unter anderem sollen niedrigere Steuern auf Arzneimittel dazu beitragen.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm sieht eine »dramatische Entwicklung« in der Beitragsdynamik und prophezeit, dass ohne grundlegende Reformen im kommenden Jahr mit einem weiteren Beitragsplus von 0,6 Prozentpunkten gerechnet werden müsse. Bis zum Jahr 2035 könnte demnach die Abgabenlast aller Sozialzweige insgesamt die Marke von 50 Prozent erreichen.