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Apothekenreform 
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AOK sieht keinen Mehrwert in pDL 

Nach dem Bundesrat hat auch der AOK-Bundesverband Kritik am geplanten Apothekenreformgesetz geübt. Die Ortskassen befürchten vor allem eine stärkere Belastung der ohnehin prekären GKV-Finanzen. Eine Erhöhung des Fixums und die geplanten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) lehnen sie daher ab.
AutorKontaktPZ
Datum 02.02.2026  12:30 Uhr

Am Freitag wurde das Apothekenreformgesetz im Bundesrat diskutiert. Am Ende gab die Länderkammer eine Stellungnahme ab, in der sie unter anderem die geplanten Regeln zur PTA-Vertretung und zur Gründung von Zweigapotheken kritisierte. 

Auch die Krankenkassen melden Bedenken an, allerdings aus anderen Gründen als der Bundesrat. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, erklärte in einer Stellungnahme, dass die geplante Reform viele gute Vorschläge zur Entbürokratisierung enthalte. »Die Sicherung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung durch regulatorische Erleichterungen zur Gründung von Zweigapotheken, aber auch für den Fachkräftenachwuchs, ist ein richtiger Schritt. Ausländischen Fachkräften, aber auch qualifizierten PTAs, zeitnah neue Chancen zu bieten, ist angesichts des drohenden Fachkräftemangels wichtig«, so Reimann. 

Die AOK unterstütze eine intensivere Einbindung von Apotheken mit in die Versorgung, zum Beispiel beim Impfen. »Darüber hinaus sehen wir aber bei der vorgesehenen massiven Ausweitung pharmazeutischer Dienstleistungen in dieser Form, etwa beim Messen von Blutdruck und Blutzuckerwerten, keinen Mehrwert für eine verlässliche Versorgung«, sagte die AOK-Chefin. »Diese zusätzlichen Angebote sind für die Apotheken weiterhin völlig unverbindlich und nicht mit der Primärversorgung und der hier geplanten Versorgungssteuerung vernetzt. Schon jetzt fehlt es dabei ja an Akzeptanz in der Apothekerschaft.«

Reimann verwies darauf, dass im Fonds für pharmazeutische Dienstleistungen inzwischen rund 600 Millionen Euro liegen. Das Geld könne die GKV an anderer Stelle gut verwenden. »Sinnvoller und wirtschaftlicher wäre es daher, dieses Geld an die Beitragszahlenden zurückzugeben und die Regelungen zu den pharmazeutischen Dienstleistungen so anzupassen, dass die tatsächlichen Bedarfe der Versicherten vor Ort adressiert werden können«, so Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes. 

AOK lehnt Honorarerhöhung ab 

Die Apothekerschaft fordert seit langem eine Erhöhung des Fixhonorars und auch Gesundheitsministerin Nina Warken sicherte kürzlich im PZ-Talk eine Anhebung auf 9,50 Euro zu. Die AOK lehnt das allerdings ab und verweist auf die prekäre finanzielle Lage der GKV. 

»Die Wirtschaftslage in Deutschland ist schlecht, das GKV-Beitragssatzniveau ist auf Rekordniveau, die Ausgabendynamik ungebrochen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken geht inzwischen selbst von einem zweistelligen Milliardendefizit aus, das 2027 zu stopfen ist. Und sie spricht von umfassenden Sparanstrengungen, an denen sich alle Akteure beteiligen sollen. Dementsprechend wäre es aus unserer Sicht inkonsistent und vollkommen verfehlt, in dieser angespannten Situation das Apothekenfixum zu erhöhen«, sagte Reimann. 

Unter Verweis auf die angespannten GKV-Finanzen lehnt die AOK außerdem eine Aufweichung der wirtschaftlichen Abgabe von Arzneimitteln ab. »Dadurch würden vertragliche Regelungen außer Kraft gesetzt und Rabatterlöse riskiert. Auch hier geht es um viel Geld der Beitragszahlenden. Auf dem Spiel stehen insgesamt über sechs Milliarden Euro Einsparungen durch Rabattverträge pro Jahr«, warnte Reimann. 

Die AOK-Chefin forderte für den weiteren parlamentarischen Prozess des Apothekenreformgesetzes einen »Realitäts-Check«, der die geplanten Maßnahmen und das prognostizierte finanzielle Defizit der GKV betrachtet. »Darüber hinaus muss die Apothekenreform auf die Arbeit der Finanzkommission Gesundheit abgestimmt werden«, so Reimann. 

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