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Ursachen und psychische Folgen
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Anzeichen toxischer Beziehungen erkennen

Toxische Beziehungen sind ein zunehmendes psychologisches und gesellschaftliches Problem. Machtungleichgewichte, Manipulation und emotionaler Missbrauch können Folgen für die mentale Gesundheit haben. Psychologen nennen Warnsignale und Muster.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 12.01.2026  12:30 Uhr

Was ist Gaslighting?

Klassische Muster seien außerdem etwa Kontrolle und Überwachung, emotionale Erpressung oder Isolation vom Umfeld durch das Gegenüber. Auch ein ständiger Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung gehört auf die Liste.

Hinzu kommt das sogenannte Gaslighting, bei dem die eigene Wahrnehmung systematisch infrage gestellt wird. Der Begriff leitet sich vom Theaterstück »Gas Light«, also Gaslicht, des britischen Autors Patrick Hamilton ab. In dem Stück aus den 1930ern bemerkt die Protagonistin, dass die Gaslampe nachts flackert und weniger hell scheint. Ihr Mann lässt sie glauben, langsam verrückt zu werden, obwohl er für den mangelnden Gasdruck verantwortlich ist.

Genau wie bei toxischen Beziehungen handelt es sich auch bei Gaslighting um keinen klinischen Diagnosebegriff. Durch die Verbreitung solcher Wörter sei es jedoch besser möglich, sich auszutauschen, erkennt Jessen an. Während Stemper vor einem inflationären Gebrauch warnt, sagt er: »Mir ist es lieber, dass Menschen über toxische Beziehungen, Depression oder dergleichen im Zweifel ungenau sprechen und langfristig einen Lerneffekt haben, als dass sie gar nicht darüber sprechen.«

Folgen sind langanhaltend

Dem Psychotherapeuten Stemper zufolge sind die Folgen einer toxischen Beziehung jedenfalls gravierend und langanhaltend. Der Stress könne etwa zu ungesundem Schlaf, Angststörungen und Depressionen führen. Wer bereits eine toxische Beziehung erlebt habe, gerate ohne therapeutische Aufarbeitung häufig wieder in ähnliche Dynamiken, erklärt der Experte. In den sozialen Medien sprechen viele Influencer über ihre Erfahrungen mit ungesunden Partnerschaften – und erreichen damit außergewöhnlich hohe Aufrufzahlen.

Einerseits gut, meint Stemper, denn es finde Aufklärung statt und das Sprechen über toxische Beziehungen werde enttabuisiert. Andererseits aber könnten insbesondere junge Menschen falsche Vorstellungen davon entwickeln, wie Beziehungen aussehen.

Wer erkennen möchte, ob er selbst in einer toxischen Beziehung steckt, sollte Stemper zufolge auf das eigene Bauchgefühl hören. »Wenn Sie auf Eierschalen laufen und nicht wissen, was den Partner als Nächstes triggert – dann sind das deutliche Alarmsignale

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Depression

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