Die Menschen in Deutschland gingen im Schnitt drei bis vier Mal häufiger zum Arzt als in Schweden oder Dänemark. Das hänge mit der Steuerung der Patientinnen und Patienten zusammen. »Viele Krankheitsbilder, die auch digital per Telemedizin gelöst werden können, finden hier immer noch im persönlichen Kontakt statt«, sagte Philippi.
In Dänemark etwa komme es bei leichten bis mittleren Beschwerden erst zum persönlichen Austausch, wenn die Schmerzen länger anhielten oder die empfohlenen Medikamente nicht zu einer Besserung führten. »Das führt dazu, dass die Praxen und Notfallambulanzen dort nicht so voll sind wie bei uns.«
Philippi richtete auch einen Appell an die Ärzteverbände: Es wäre gut, wenn diese sich trauen würden, die Möglichkeiten der digitalen Anamnese stärker zu nutzen, sagte er. »Es gibt Algorithmen, mit denen Beschwerden angegeben und dann über KI-gesteuerte Anamnesebögen sehr genau herausgefiltert werden können.« Das zeige, ob ein Besuch in einer Praxis wirklich erforderlich sei. »Das spart den Ärztinnen und Ärzten viel Zeit«, sagte Philippi.