Insbesondere auf Facharzttermine müssen gesetzlich Versicherte länger warten – das soll sich mit besserer Patientensteuerung ändern. Zudem sollten Ärzte digitale Anamnesemöglichkeiten besser nutzen, appelliert der neue Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Andreas Philippi. / © imago images/blickwinkel
Der Verband hatte 3500 Kassenpatientinnen und -patienten befragt, wie lange sie auf einen Arzttermin warten. Besonders viel Geduld müssen die Versicherten demnach bei Facharztterminen mitbringen; hier gab jeder vierte Befragte an, mehr als einen Monat auf einen Termin warten zu müssen, bei jedem zehnten waren es sogar drei Monate.
Ein Drittel der Befragten empfand diese Wartezeit zu lang, knapp ein Drittel hatte demnach Probleme, überhaupt einen Facharzttermin zu bekommen. Bei Hausarztterminen war die Situation laut der Umfrage etwas entspannter.
Der GKV-Spitzenverband will nun Nägel mit Köpfen machen. Patientinnen und Patienten wünschten sich eine moderne ambulante Versorgung, zu der kürzere Wartezeiten und flexiblere Öffnungszeiten gehörten. Die stellvertretende GKV-SV-Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis schlägt laut einer GKV-SV-Mitteilung ein gesetzlich vorgeschriebenes Onlineportal vor, über das Termine aktuell vergeben werden. Privat Versicherte sollten zudem nicht mehr schneller einen Termin bekommen; bei der Terminvergabe solle nicht mehr nach der Versicherung gefragt werden, so Stoff-Ahnis.
Das Problem der überfüllten Praxen und langen Wartezeiten ist nicht neu. Auch die schwarz-rote Bundesregierung setzt daher auf die gezieltere Terminvergabe über Hausarztpraxen, um die Versorgung effizienter zu machen und Wartezeiten zu verkürzen.
Diesen Plan der Bundesregierung unterstützt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi. »Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben«, sagte der SPD-Politiker, der dieses Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat, der Deutschen Presse-Agentur.
»Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln - mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen«, erklärte der Minister. »Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen.« Ausgenommen wären Gynäkologen und Augenärzte.
Der Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund, den Philippi mit ausgehandelt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer Termingarantie.
Der Minister will außerdem die Arztkontakte von chronisch Kranken reduzieren, denen es ansonsten gut geht. »Wenn jemand zum Beispiel Bluthochdruck hat und regelmäßig Tabletten braucht, dann muss er bisher jedes Quartal zum Arzt. Das kostet Zeit. Hausärzte sollten die Tabletten künftig per Jahresverordnung verschreiben können«, sagte er.