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Neue Schwellenwerte
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Ab wann wird Cannabis-Konsum krankhaft?

Experten haben neue Schwellenwerte entwickelt, bei welchem Cannabis-Konsum die Nutzer in der Regel eine sogenannte Cannabis-Konsumstörung entwickeln. Sie nennen konkrete wöchentliche THC-Werte, die man besser nicht überschreiten sollte.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 13.01.2026  16:20 Uhr
Ab wann wird Cannabis-Konsum krankhaft?

Erarbeitet wurden die Schwellenwerte von britischen Forschenden im Rahmen der CannTeen-Studie, deren Ergebnisse jetzt im Fachjournal »Addiction« erschienen. An der Studie hatten 65 Personen im Alter von 26 bis 29 Jahren (46 Prozent weiblich) und 85 Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren (56 Prozent weiblich) in London teilgenommen. Sie wurden über zwölf Monate mehrfach zu ihrem Cannabis-Konsum befragt. Erfasst wurden dabei Standard-THC-Einheiten von 5 mg Delta-9-Tetrahydrocannabinol. Für Alkohol sind solche Units und riskante Konsummengen bereits etabliert, erläutert dazu das Science Media Center, das die Studie aufgriff und von unabhängigen Experten einschätzen ließ.

Am Ende wurden alle Teilnehmenden untersucht, ob sie eine Cannabis-Konsumstörung entwickelt hatten. Davon spricht man, wenn Betroffene mehr Cannabis konsumieren, als sie beabsichtigen oder wichtige Verpflichtungen durch den Konsum vernachlässigen. Vereinfacht gesagt, geht es darum, wann Cannabis-Konsum krankhaft wird.

Demnach wird Cannabis-Konsum mit großer Wahrscheinlichkeit krankhaft, wenn ein Schwellenwert von 8,26 Units (Erwachsene) beziehungsweise 6,04 Units (Jugendliche) pro Woche überschritten wird. Das entspricht also 41,3 beziehungsweise 30,2 mg THC pro Woche. Der Schwellenwert für eine moderate bis schwere Cannabis-Konsumstörung lag für Erwachsene bei 13,44 und bei Jugendlichen bei 6,45 wöchentlichen Einheiten.

Es gibt keinen risikofreien Cannabis-Konsum

Die hier definierten Schwellenwerte könnten laut den Autorinnen und Autoren als Screening-Instrument dienen, um das Risiko für eine Cannabis-Konsumstörung einzuschätzen. Auch sollen die Ergebnisse zu Leitlinien für einen risikoarmen Cannabis-Konsum beitragen. Wie beim Alkohol gibt es aber keinen sicheren Konsum. Als vollständig risikofrei gelte nur der Verzicht auf Cannabis, so die Forschenden.

Dr. Jakob Manthey, Arbeitsgruppenleiter »Substanzkonsum und Public Health« am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), findet Schwellenwerte grundsätzlich sehr nützlich, um Gesundheitsrisiken zu kommunizieren. Auf der anderen Seite bestehe die Gefahr, dass ein Konsum unter diesen Grenzen als harmlos oder (wie früher beim Alkohol) sogar als gesundheitsfördernd interpretiert wird. Manche Personen könnten auch schon unter den ermittelten Schwellenwerte negative Symptome entwickeln.

Zudem habe die Studie gewisse Schwächen, unter anderem die geringe Probandenanzahl und dass nicht sicher bekannt war, wie viel THC die konsumierten Produkte wirklich enthielten. Auch die Applikationsform spielt bekanntlich eine Rolle.

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