| Annette Rößler |
| 14.01.2026 09:00 Uhr |
Je älter der Mensch wird, umso mehr baut er körperlich ab. Dieser Prozess, der bereits ab einem Alter von 35 Jahren einsetzt, lässt sich mit regelmäßiger Bewegung allerdings deutlich abbremsen. / © Getty Images/Oleg Breslavtsev
Der Zahn der Zeit nagt an jedem von uns: Selbst Sportskanonen, die sehr viel trainieren, müssen irgendwann feststellen, dass ihre Kräfte schwinden. Doch wann genau ist der Wendepunkt erreicht? Aus Studien mit Spitzensportlern wusste man bereits, dass bei diesen der Gipfel der Leistungsfähigkeit etwa im Alter von 35 Jahren liegt. Ein Team um Maria Westerståhl vom Karolinska Institutet in Stockholm hat nun in einer Langzeit-Beobachtungsstudie überprüft, ob dies auch auf die Allgemeinbevölkerung zutrifft.
Die Forschenden begleiteten 427 zufällig ausgewählte Personen des Jahrgangs 1958 ab einem Alter von 16 Jahren bis 63 Jahren, also insgesamt 47 Jahre lang. Die Probanden kamen aus ganz Schweden und der Frauenanteil lag bei 48 Prozent. Regelmäßig wurden im Verlauf der Studie die Kraft und die Ausdauer der Teilnehmenden überprüft.
Die Ergebnisse sind im »Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle« veröffentlicht. Demnach war die Kraftausdauer der teilnehmenden Frauen und Männer zwischen dem Alter von 26 und 36 Jahren am höchsten und begann dann um 0,3 bis 0,6 Prozent pro Jahr abzunehmen. Im Verlauf schritt der Abbau dann immer schneller voran, sodass schließlich eine Rate von 2,0 bis 2,5 Prozent Verlust pro Jahr erreicht wurde, wobei es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gab.
Bei der Maximalkraft erreichten Männer einen Peak im Alter von 27 Jahren, Frauen dagegen bereits mit 19 Jahren. Auch hier war die Verlustrate danach mit nur 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr zunächst gering und vergrößerte sich schließlich auf 2,2 Prozent pro Jahr. Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden auch in dieser Kategorie keine beobachtet.
Insgesamt ging die körperliche Leistungsfähigkeit von ihrem jeweiligen Höhepunkt bis zum Alter von 63 Jahren um 30 bis 48 Prozent zurück, wobei sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Teilnehmenden mit zunehmendem Alter vergrößerten: Wer die ganze Zeit körperlich aktiv war, konnte den unweigerlichen Verlust der Leistungsfähigkeit deutlich abbremsen. Dasselbe galt aber auch für Menschen, die als Erwachsene erst mit dem Sport begannen. »Es ist nie zu spät, damit anzufangen«, so Westerståhl.
Die Forschenden werden die Studie weiter fortsetzen, um Lebensstil- und andere Faktoren zu identifizieren, die mit Veränderungen der körperlichen Leistungsfähigkeit im Zusammenhang stehen.