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Globale Lieferkette
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63.162 Kilometer für eine Clonazepam-Tablette

Eine Studie beleuchtet die komplexen Produktionswege von Arzneimitteln am Beispiel von Clonazepam. Die Autoren warnen vor fatalen ökologischen Auswirkungen der Produktion und fordern umweltfreundliche Lieferketten.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 09.05.2025  09:00 Uhr
Emissionen beeinträchtigten lokale Ökosysteme

Emissionen beeinträchtigten lokale Ökosysteme

Ihre Analyse konzentriert sich auf die globale Lieferkette pharmazeutischer Materialien und verfolgt einen Ökobilanz-Ansatz, bei dem die Transportwege und -ziele eines Medikaments betrachtet werden, anstatt eine umfassende CO2-Fußabdruckanalyse durchzuführen.

Die Umweltauswirkungen der Produktion würden weit über den in diesem Artikel beschriebenen Lebenszyklus hinausgehen. Emissionen und Abfälle beeinträchtigten lokale Ökosysteme, verunreinigten Gewässer und stellten ein Gesundheitsrisiko für die umliegenden Gemeinden dar. Dies schädige besonders gefährdete Gemeinschaften, vor allem Indigene, Schwarze und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen.

Die Autoren fordern einen globalen Ansatz zur Reduzierung pharmazeutischer Emissionen, der sich auf die Verkürzung der Transportwege und die Schaffung umweltfreundlicher Lieferketten konzentrieren müsse. »Dies kann die Nutzung erneuerbarer Energien in Transport- und Vertriebsnetzen sowie die Kennzeichnung von Produktions- und Lieferkettenemissionen mit Umweltproduktdeklarationen und Umweltzeichen umfassen, die Daten zur Umweltverträglichkeit enthalten«, erklärten sie.

Deprescribing für Gesundheit und Umwelt

Die Umweltauswirkungen eines Produkts ließen sich mit einer einfachen Gleichung abschätzen, die die Masse der transportierten Güter, die zurückgelegte Strecke und einen Emissionsfaktor des Produkts berücksichtige. Darüber hinaus würde die Verkürzung der Transportwege nicht nur die Emissionen senken, sondern das System auch widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen und politische Unruhen machen. 

Und einen weiteren Punkt nennen sie: unnötige Verschreibungen vermeiden. Auch das war ein Grund, warum sie ihre Studie ausgerechnet mit Clonazepam durchgeführt haben. Es gebe alternative Medikamente mit niedrigerem Abhängigkeitspotenzial und einem besseren Nutzen-Risiko-Verhältnis. Clonezapam werde häufig überverordnet und könne Patienten schädigen. Zu den Nebenwirkungen gehören eine erhöhte Sturzgefahr und ein erhöhtes Demenzrisiko. Generell gelte: »Deprescribing ist einer der einfachsten und kosteneffektivsten Strategien, um die Emissionen im Gesundheitswesen zu reduzieren.«

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