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Kurzgutachten
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50 Milliarden Euro sparten die Kassen durch Apotheken

Ein Kurzgutachten im Auftrag der Freien Apothekerschaft zeigt, in welchem Umfang die Krankenkassen von der ausgebliebenen Honorarerhöhung der Apotheken und dem Kassenabschlag profitiert haben. Die Autoren Andreas Kaapke und Nina Kleber-Herbel kommen auf einen geschätzten Betrag von rund 50 Milliarden Euro über die vergangenen 20 Jahre.
AutorKontaktPZ
Datum 17.03.2026  15:28 Uhr

Kaapke hat für die Freie Apothekerschaft (FA) errechnet, welche Summe die Kassen seit 2024 an die Apotheken hätten zahlen müssen, wenn das Fixum jeweils inflationsgerecht angepasst worden wäre. Startpunkt des Gutachtens ist das Jahr 2004, damals lag das Fixum bei 8,10 Euro, bis es 2013 auf den bis heute gültigen Wert von 8,35 Euro angehoben wurde.

Nach Kaapkes Berechnung hätte das Fixum schon 2013 auf einem Wert von 9,40 Euro liegen müssen – also knapp unterhalb des Wertes, den die Regierung den Apotheken aktuell als Erhöhung in Aussicht stellt. Angepasst an die Inflation hätte das Fixum im Jahr 2024 bereits bei 12,04 Euro liegen müssen.

Die Differenz der tatsächlich gezahlten Honorare und einem jährlich angepassten Fixum haben die Gutachter über den gesamten Zeitraum kumuliert. Heraus kommt ein Delta von mehr als 21 Milliarden Euro, die die Kassen aufgrund der ausgebliebenen Honoraranpassung gespart hätten.

Kassenabschlag bringt 29 Milliarden Euro

Kaapke und Kleber-Herbel haben außerdem die Einsparungen aus dem Kassenabschlag in diesem Zeitraum summiert, den Apotheken den Kassen gesetzlich schulden. Der Betrag wurde in der Vergangenheit immer mal wieder angepasst. Der Höchstwert lag bei 2,30 Euro pro Packung im Jahr 2008, aktuell liegt er bei 1,77 Euro pro Packung. Zwischen 2004 und 2024 haben die Kassen auf diese Weise 28,8 Milliarden Euro an Rabatt erhalten.

Unter dem Strich hat das GKV-System laut dem Kurzgutachten also knapp 50 Milliarden Euro an den Apotheken »verdient«. Daniela Hänel, Vorsitzende der Freien Apothekerschaft, kritisiert: »Während die Betriebskosten und der bürokratische Aufwand explodieren, wurde das Honorar der Apotheken real entwertet.«

Die FA fordert, dass der Bund versicherungsfremde Leistungen aus Steuermitteln zahlt. Denn dann »gäbe es mehr als genug Spielraum für die überfällige Honoraranpassung der Apotheken«, so Hänel. Die sofortige Erhöhung des Fixums auf mindestens 9,50 Euro sowie eine Dynamisierung müssten jetzt kommen. Und den Kassenabschlag will die FA komplett abschaffen.

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